Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
20. Jahrgang (2017) - Ausgabe 8 (August) - ISSN 1619-2389
 
 RESTRUKTURIERUNGSMAGAZIN
   Zeitschrift für Restrukturierung, Sanierung
   und strategische Unternehmensführung
   ISSN 1867-7517
   www.restrukturierungsmagazin.de

"Banken brauchen im bevorstehenden Umbruch eine Professionalisierung ihrer F&E"

Neue Akteure auf dem Finanzmarkt wie Crowdfunding-Plattformen und Fintech-Start-ups einerseits, der digitale Strukturwandel hin zu Industrie 4.0 und Big Data andererseits - die Herausforderungen für traditionelle Bankhäuser werden nicht geringer. Kirsten Schäfer, Managing Director und Leiterin Digitale Lösungen für Firmenkunden der Deutsche Bank AG in Frankfurt am Main, veranschaulichte im Rahmen des Restrukturierungsgipfel 2016 an der Frankfurt School of Finance & Management, wie die Deutsche Bank den Wandel im Firmenkundengeschäft begleitet und die Digitalisierung in der Geschäftsbank innovativ vorantreibt.

Restrukturierungsmagazin: Google verfügt bereits seit 2007 über eine E-Money-Lizenz und der Online-Bezahldienst PayPal sogar über eine reguläre Banklizenz. Zudem drängen zahlreiche technologiegetriebene Start-ups und Nischenanbieter auf den Markt. Wie reagiert die Deutsche Bank auf das Aufbrechen der Branchengrenzen und den zunehmenden Wettbewerb im Firmenkundengeschäft?

Kirsten Schäfer: Erklärtes Ziel der Deutschen Bank ist es, das Bankgeschäft mit Firmenkunden weiter auszubauen. Die Digitalisierung ist dabei ein zentraler Hebel. Der unmittelbare Vorteil liegt auf der Hand: Mit automatisierten Prozessen können wir deutlich effizienter werden. Effizienz alleine ist jedoch kein Erfolgsgarant. Der digitale Wandel ermöglicht auch mehr Service und bessere Beratung – und darauf wollen wir uns besonders konzentrieren.

Restrukturierungsmagazin: In China bietet die App "WeChat" mehr als 700 Millionen Nutzern Kommunikation und Bezahlen aus einer Hand an. Sie steht damit exemplarisch für die Durchdringung der Gesellschaft mit mobilen Technologien. Wie passt die Deutsche Bank ihr Geschäftsmodell an die Architektur des digitalen Zeitalters an?

Kirsten Schäfer: Wenn Banken den bevorstehenden Umbruch meistern wollen, brauchen sie eine Professionalisierung ihrer Forschung und Entwicklung. Die Zeiten, in denen Innovation neben dem Alltagsgeschäft erledigt werden konnte, sind vorbei. Genau wie jedes Unternehmen in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, in der Chemieindustrie oder der Pharmabranche muss auch jede Bank eine institutionalisierte, gut ausgestattete F&E-Abteilung besitzen – samt der dazu gehörenden Menschen, Prozesse und Finanzen.

Teil dieser Professionalisierung sind drei Kernelemente, ohne die keine Innovationsstrategie erfolgreich sein kann. Am Anfang steht ein ehrgeiziger Anspruch. Bei der Deutschen Bank lautet dieser: Wir wollen das führende digitale Ökosystem im europäischen Banking schaffen. Zweitens gehört dazu ein klares Bekenntnis: Im Fall der Deutschen Bank ist dieses Bekenntnis rund 750 Millionen Euro schwer, das Investitionsvolumen für die kommenden Jahre. Und drittens gehört dazu eine entschlossene Umsetzung:

Drei "Innovation Labs" in London, San Francisco und Berlin dienen dazu, den Kontakt zur Startup-Szene zu vertiefen und neue Ideen zu entwickeln. Die Deutsche Bank hat kürzlich das Datenanalysezentrum "The Hive" in Dublin eröffnet. Von dort aus werden künftig Experten aus der Datenwissenschaft, -visualisierung und –analytik mithilfe moderner Instrumente und Techniken zahlreiche bankweite Initiativen unterstützen. In der gerade eröffneten "Digitalfabrik" der Deutschen Bank in Frankfurt arbeiten mehr als 400 Softwareentwickler, IT-Spezialisten sowie Bankexperten gemeinsam an neuen digitalen Produkten und Dienstleistungen für die Kunden der Bank. Zudem gibt es 50 Arbeitsplätze für externe Kooperationspartner aus der FinTech-Szene.

Restrukturierungsmagazin: Schlagworte wie "Smart Banking" und "Algo Banking" werden derzeit als Trends im Bankgeschäft diskutiert. Wo liegen aus Ihrer Sicht die zukünftigen Herausforderungen des digitalen Firmenkundengeschäfts von morgen?

Kirsten Schäfer: Tatsächlich ändert sich das Geschäft mit Firmenkunden durch neue Technik gerade rasant. Zwar ging es bei der Deutschen Bank im Firmenkundengeschäft schon immer um mehr als Kredite. Die Berater der Deutschen Bank sind vielmehr als strategische Berater und Partner des Unternehmers gefragt und gefordert. Doch die Digitalisierung verändert gerade das gesamte Arbeitsumfeld, die Beziehung zu den Kunden und unser Dienstleistungsspektrum. Wir sehen darin keine Bedrohung – sondern eine große Chance.

© 2016 Krisennavigator. Alle Rechte vorbehalten.
Stand der Informationen: 16. September 2016.


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
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Neue Akteure auf dem Finanzmarkt wie Crowdfunding-Plattformen und Fintech-Start-ups einerseits, der digitale Strukturwandel hin zu Industrie 4.0 und Big Data andererseits - die Herausforderungen für traditionelle Bankhäuser werden nicht geringer. Kirsten Schäfer, Managing Director und Leiterin Digitale Lösungen für Firmenkunden der Deutsche Bank AG in Frankfurt am Main, veranschaulichte im Rahmen des Restrukturierungsgipfel 2016 an der Frankfurt School of Finance & Management, wie die Deutsche Bank den Wandel im Firmenkundengeschäft begleitet und die Digitalisierung in der Geschäftsbank innovativ vorantreibt.

Restrukturierungsmagazin: Google verfügt bereits seit 2007 über eine E-Money-Lizenz und der Online-Bezahldienst PayPal sogar über eine reguläre Banklizenz. Zudem drängen zahlreiche technologiegetriebene Start-ups und Nischenanbieter auf den Markt. Wie reagiert die Deutsche Bank auf das Aufbrechen der Branchengrenzen und den zunehmenden Wettbewerb im Firmenkundengeschäft?

Kirsten Schäfer: Erklärtes Ziel der Deutschen Bank ist es, das Bankgeschäft mit Firmenkunden weiter auszubauen. Die Digitalisierung ist dabei ein zentraler Hebel. Der unmittelbare Vorteil liegt auf der Hand: Mit automatisierten Prozessen können wir deutlich effizienter werden. Effizienz alleine ist jedoch kein Erfolgsgarant. Der digitale Wandel ermöglicht auch mehr Service und bessere Beratung – und darauf wollen wir uns besonders konzentrieren.

Restrukturierungsmagazin: In China bietet die App "WeChat" mehr als 700 Millionen Nutzern Kommunikation und Bezahlen aus einer Hand an. Sie steht damit exemplarisch für die Durchdringung der Gesellschaft mit mobilen Technologien. Wie passt die Deutsche Bank ihr Geschäftsmodell an die Architektur des digitalen Zeitalters an?

Kirsten Schäfer: Wenn Banken den bevorstehenden Umbruch meistern wollen, brauchen sie eine Professionalisierung ihrer Forschung und Entwicklung. Die Zeiten, in denen Innovation neben dem Alltagsgeschäft erledigt werden konnte, sind vorbei. Genau wie jedes Unternehmen in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, in der Chemieindustrie oder der Pharmabranche muss auch jede Bank eine institutionalisierte, gut ausgestattete F&E-Abteilung besitzen – samt der dazu gehörenden Menschen, Prozesse und Finanzen.

Teil dieser Professionalisierung sind drei Kernelemente, ohne die keine Innovationsstrategie erfolgreich sein kann. Am Anfang steht ein ehrgeiziger Anspruch. Bei der Deutschen Bank lautet dieser: Wir wollen das führende digitale Ökosystem im europäischen Banking schaffen. Zweitens gehört dazu ein klares Bekenntnis: Im Fall der Deutschen Bank ist dieses Bekenntnis rund 750 Millionen Euro schwer, das Investitionsvolumen für die kommenden Jahre. Und drittens gehört dazu eine entschlossene Umsetzung:

Drei "Innovation Labs" in London, San Francisco und Berlin dienen dazu, den Kontakt zur Startup-Szene zu vertiefen und neue Ideen zu entwickeln. Die Deutsche Bank hat kürzlich das Datenanalysezentrum "The Hive" in Dublin eröffnet. Von dort aus werden künftig Experten aus der Datenwissenschaft, -visualisierung und –analytik mithilfe moderner Instrumente und Techniken zahlreiche bankweite Initiativen unterstützen. In der gerade eröffneten "Digitalfabrik" der Deutschen Bank in Frankfurt arbeiten mehr als 400 Softwareentwickler, IT-Spezialisten sowie Bankexperten gemeinsam an neuen digitalen Produkten und Dienstleistungen für die Kunden der Bank. Zudem gibt es 50 Arbeitsplätze für externe Kooperationspartner aus der FinTech-Szene.

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Kirsten Schäfer: Tatsächlich ändert sich das Geschäft mit Firmenkunden durch neue Technik gerade rasant. Zwar ging es bei der Deutschen Bank im Firmenkundengeschäft schon immer um mehr als Kredite. Die Berater der Deutschen Bank sind vielmehr als strategische Berater und Partner des Unternehmers gefragt und gefordert. Doch die Digitalisierung verändert gerade das gesamte Arbeitsumfeld, die Beziehung zu den Kunden und unser Dienstleistungsspektrum. Wir sehen darin keine Bedrohung – sondern eine große Chance.

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Stand der Informationen: 16. September 2016.

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