Ein Spin-Off der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
27. Jahrgang (2024) - Ausgabe 4 (April) - ISSN 1619-2389
 
 KRISENMAGAZIN
   Zeitschrift für Krisenmanagement,
   Krisenkommunikation und Krisentraining
   ISSN 1867-7541
   www.krisenmagazin.de

"Wir verfügen für unsere rund 3.200 Mitarbeiter weltweit über eine eigene Sicherheitsarchitektur"

Egal ob das Erdbeben in der Türkei und Syrien im Februar 2023 oder die Flutkatastrophe in Libyen im September 2023 - als eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland ist die Deutsche Welthungerhilfe e.V. mit Sitz in Bonn stets zur Stelle, wenn es darum geht, Menschen ein selbstbestimmtes Leben frei von Hunger und Armut zu ermöglichen. Allein im zurückliegenden Jahr 2022 wurden knapp 19 Millionen Menschen in 37 Ländern auf vier Kontinenten mit rund 290 Millionen Euro unterstützt. Im Gespräch mit dem Krisenmagazin erläutert Simone Pott, welche Herausforderungen dabei bewältigt werden müssen, um das Ziel "Zero Hunger bis 2030" zu erreichen. Die Pressesprecherin und Head of Communications der Welthungerhilfe ist auch Referentin beim Krisenkommunikationsgipfel 2024 in München und digital.

Simone Pott Krisenmagazin: Seit ihrer Gründung im Jahr 1962 war die Welthungerhilfe mit mehr als 11.000 Auslandsprojekten in 72 Ländern aktiv. Nicht selten reisen ihre Kollegen (m/w/d) dabei auch in Länder, vor denen das Auswärtige Amt ausdrücklich warnt. Wie meistern Sie die Gratwanderung zwischen Hilfe für Menschen in Not einerseits und arbeitgeberseitiger Fürsorge für Ihre Beschäftigten andererseits und wie hat sich die Welthungerhilfe selbst gegen Krisenfälle bei Auslandseinsätzen gewappnet?

Simone Pott: In der Tat hat sich die Sicherheitslage in vielen unserer Projektländer in den letzten zehn Jahren kontinuierlich verschlechtert. Gerade in den zwölf Hochsicherheitsländern wie etwa Mali, Afghanistan oder Sudan ist der Bedarf an Hilfe besonders hoch. Wir verfügen für unsere rund 3.200 Mitarbeiter weltweit über eine eigene Sicherheitsarchitektur. Zentral ist dabei die Akzeptanz in der Bevölkerung, sie ist eine Art Schutzweste. Wichtig sind unsere lokalen oder internationalen Sicherheitsberaterinnen und Sicherheitsberater, die gemeinsam mit dem Sicherheitsbeauftragten in der Zentrale in Bonn für jedes Land und jede Region angepasste Sicherheitsmaßnahmen erarbeiten und ständig an die aktuellen Entwicklungen anpassen. Vor jedem Einsatz in einem Risikoland absolvieren Kolleginnen und Kollegen ein mehrtägiges Sicherheitstraining und parallel finden regelmäßige Schulungen in den Ländern statt.

Krisenmagazin: Als Hilfsorganisation unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten ist die Welthungerhilfe politisch und konfessionell unabhängig tätig. Nach dem Überfall der Hamas auf Israel hat die EU-Kommission die humanitäre Hilfe für den Gazastreifen um 50 Millionen Euro auf insgesamt 75 Millionen Euro erhöht - und erntete wegen angeblich indirekter Unterstützung der Hamas auch Kritik. Wie stellen Sie bei Ihren Projekten sicher, dass die Geld- und Sachmittel nicht in die falschen Hände gelangen und die Welthungerhilfe vor Ort nicht mit den falschen Partnern zusammenarbeitet?

Simone Pott: Wir arbeiten weltweit mit rund 260 lokalen Partner zusammen – mit vielen von ihnen planen und setzen wir seit Jahren erfolgreiche Projekte um. Die Grundlage für alle Aktivitäten bildet eine gemeinsame Wertebasis. Dazu gehören u.a. Accountability, die sich nicht nur auf gute Buchführung reduziert, sondern mit einer Haltung verbunden ist, transparent und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Transparenz und Neutralität gehören ebenfalls zu den Werten, die wir aktiv einfordern. Alle Partner müssen zudem unseren Code of Conduct unterzeichnen. Bevor wir mit neuen Partnern eine Zusammenarbeit beginnen, prüfen wir in Gesprächen die internen Strukturen. Hinzu kommen regelmäßige Prüfungen der Projekte durch unsere öffentlichen Geldgeber wie die Bundesregierung oder die EU.

Krisenmagazin: Auch nach mehr als 60 Jahren scheint der Welthungerhilfe die Arbeit nicht auszugehen. Der kürzlich vorgestellte Welthunger-Index 2023 zeigt, dass durch die weltweiten Krisen immer mehr Menschen unter extremem Hunger leiden. Gleichzeitig will die Welthungerhilfe bis 2030 das Ziel "Zero Hunger" erreichen. Wie motivieren Sie in Ihrer internen Kommunikation Ihre rund 3.200 Beschäftigten aus knapp 70 Ländern, damit diese sich jeden Tag aufs Neue für dieses Ziel einsetzen?

Simone Pott: Wir konzentrieren uns auf die Hebel, die wir in Bewegungen setzen können – mit all unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, lokalen Partnern und in vielen Netzwerken. Das Intranet bietet täglich die Möglichkeit, sich mit Kolleginnen und Kollegen über Lösungsansätze auszutauschen. Es gibt regelmäßige thematische Diskussionsrunden, in denen Best-practise-Beispiele ausgetauscht aber auch Probleme und Herausforderungen diskutiert werden. Die beste Motivation ist aber, wenn wir erleben, dass sich die konkreten Lebensbedingungen für Menschen verbessert haben. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind regelmäßig in den Dörfern und Regionen unterwegs und erleben hautnah in den Gesprächen, was unsere Arbeit bewirkt und wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Dieser persönliche Austausch gibt die nötige Kraft und Energie, um auch in schwierigen Situationen zuversichtlich zu sein. Hunger ist ein menschengemachtes Unrecht und kann durch Menschen beseitigt werden.

© 2023 Krisennavigator. Alle Rechte vorbehalten.
Stand der Informationen: 24. Oktober 2023.


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schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
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Egal ob das Erdbeben in der Türkei und Syrien im Februar 2023 oder die Flutkatastrophe in Libyen im September 2023 - als eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland ist die Deutsche Welthungerhilfe e.V. mit Sitz in Bonn stets zur Stelle, wenn es darum geht, Menschen ein selbstbestimmtes Leben frei von Hunger und Armut zu ermöglichen. Allein im zurückliegenden Jahr 2022 wurden knapp 19 Millionen Menschen in 37 Ländern auf vier Kontinenten mit rund 290 Millionen Euro unterstützt. Im Gespräch mit dem Krisenmagazin erläutert Simone Pott, welche Herausforderungen dabei bewältigt werden müssen, um das Ziel "Zero Hunger bis 2030" zu erreichen. Die Pressesprecherin und Head of Communications der Welthungerhilfe ist auch Referentin beim Krisenkommunikationsgipfel 2024 in München und digital.

Simone Pott Krisenmagazin: Seit ihrer Gründung im Jahr 1962 war die Welthungerhilfe mit mehr als 11.000 Auslandsprojekten in 72 Ländern aktiv. Nicht selten reisen ihre Kollegen (m/w/d) dabei auch in Länder, vor denen das Auswärtige Amt ausdrücklich warnt. Wie meistern Sie die Gratwanderung zwischen Hilfe für Menschen in Not einerseits und arbeitgeberseitiger Fürsorge für Ihre Beschäftigten andererseits und wie hat sich die Welthungerhilfe selbst gegen Krisenfälle bei Auslandseinsätzen gewappnet?

Simone Pott: In der Tat hat sich die Sicherheitslage in vielen unserer Projektländer in den letzten zehn Jahren kontinuierlich verschlechtert. Gerade in den zwölf Hochsicherheitsländern wie etwa Mali, Afghanistan oder Sudan ist der Bedarf an Hilfe besonders hoch. Wir verfügen für unsere rund 3.200 Mitarbeiter weltweit über eine eigene Sicherheitsarchitektur. Zentral ist dabei die Akzeptanz in der Bevölkerung, sie ist eine Art Schutzweste. Wichtig sind unsere lokalen oder internationalen Sicherheitsberaterinnen und Sicherheitsberater, die gemeinsam mit dem Sicherheitsbeauftragten in der Zentrale in Bonn für jedes Land und jede Region angepasste Sicherheitsmaßnahmen erarbeiten und ständig an die aktuellen Entwicklungen anpassen. Vor jedem Einsatz in einem Risikoland absolvieren Kolleginnen und Kollegen ein mehrtägiges Sicherheitstraining und parallel finden regelmäßige Schulungen in den Ländern statt.

Krisenmagazin: Als Hilfsorganisation unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten ist die Welthungerhilfe politisch und konfessionell unabhängig tätig. Nach dem Überfall der Hamas auf Israel hat die EU-Kommission die humanitäre Hilfe für den Gazastreifen um 50 Millionen Euro auf insgesamt 75 Millionen Euro erhöht - und erntete wegen angeblich indirekter Unterstützung der Hamas auch Kritik. Wie stellen Sie bei Ihren Projekten sicher, dass die Geld- und Sachmittel nicht in die falschen Hände gelangen und die Welthungerhilfe vor Ort nicht mit den falschen Partnern zusammenarbeitet?

Simone Pott: Wir arbeiten weltweit mit rund 260 lokalen Partner zusammen – mit vielen von ihnen planen und setzen wir seit Jahren erfolgreiche Projekte um. Die Grundlage für alle Aktivitäten bildet eine gemeinsame Wertebasis. Dazu gehören u.a. Accountability, die sich nicht nur auf gute Buchführung reduziert, sondern mit einer Haltung verbunden ist, transparent und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Transparenz und Neutralität gehören ebenfalls zu den Werten, die wir aktiv einfordern. Alle Partner müssen zudem unseren Code of Conduct unterzeichnen. Bevor wir mit neuen Partnern eine Zusammenarbeit beginnen, prüfen wir in Gesprächen die internen Strukturen. Hinzu kommen regelmäßige Prüfungen der Projekte durch unsere öffentlichen Geldgeber wie die Bundesregierung oder die EU.

Krisenmagazin: Auch nach mehr als 60 Jahren scheint der Welthungerhilfe die Arbeit nicht auszugehen. Der kürzlich vorgestellte Welthunger-Index 2023 zeigt, dass durch die weltweiten Krisen immer mehr Menschen unter extremem Hunger leiden. Gleichzeitig will die Welthungerhilfe bis 2030 das Ziel "Zero Hunger" erreichen. Wie motivieren Sie in Ihrer internen Kommunikation Ihre rund 3.200 Beschäftigten aus knapp 70 Ländern, damit diese sich jeden Tag aufs Neue für dieses Ziel einsetzen?

Simone Pott: Wir konzentrieren uns auf die Hebel, die wir in Bewegungen setzen können – mit all unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, lokalen Partnern und in vielen Netzwerken. Das Intranet bietet täglich die Möglichkeit, sich mit Kolleginnen und Kollegen über Lösungsansätze auszutauschen. Es gibt regelmäßige thematische Diskussionsrunden, in denen Best-practise-Beispiele ausgetauscht aber auch Probleme und Herausforderungen diskutiert werden. Die beste Motivation ist aber, wenn wir erleben, dass sich die konkreten Lebensbedingungen für Menschen verbessert haben. Unsere Kolleginnen und Kollegen sind regelmäßig in den Dörfern und Regionen unterwegs und erleben hautnah in den Gesprächen, was unsere Arbeit bewirkt und wo es noch Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Dieser persönliche Austausch gibt die nötige Kraft und Energie, um auch in schwierigen Situationen zuversichtlich zu sein. Hunger ist ein menschengemachtes Unrecht und kann durch Menschen beseitigt werden.

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Letzte Aktualisierung: Freitag, 19. April 2024

       

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