Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
25. Jahrgang (2022) - Ausgabe 12 (Dezember) - ISSN 1619-2389
 
 KRISENMAGAZIN
   Zeitschrift für Krisenmanagement,
   Krisenkommunikation und Krisentraining
   ISSN 1867-7541
   www.krisenmagazin.de

"Wir beobachten die speziellen Herausforderungen der Elektromobilität sehr genau"

Als Teil des internationalen Automobilkonzerns Stellantis mit Sitz in den Niederlanden fertigt die Opel Automobile GmbH in den Werken Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach Kraftfahrzeuge, Motoren und Fahrzeugkomponenten. Verantwortlich für die Bereiche Werksicherheit, Werkschutz, Werkfeuerwehr und vorbeugender Brandschutz an allen Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Michael Bernhard. Das Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Krisenmanagement e.V. ist seit 2011 als Area Manager Corporate Security bei Opel in Kaiserslautern tätig. Im Gespräch mit dem Krisenmagazin erläutert er, welche Rolle Werksfeuerwehren im regionalen Katastrophenmanagement spielen und welche Herausforderungen im Zuge der Mobilitätswende hin zu mehr Elektrofahrzeugen zu bewältigen sind.

Krisenmagazin: In den zurückliegenden Monaten und Jahren war Rheinland-Pfalz immer wieder Schauplatz großer industrieller Schadensergebnisse und verheerender Naturkatastrophen - beispielsweise im Oktober 2016 bei der BASF in Ludwighafen oder im Juli 2021 im Ahrtal. Wie haben Sie sich auf vergleichbare Ereignisse in den Opel-Werken vorbereitet?

Michael Bernhard: Die einzelnen Standorte unterhalten eigene Krisenstäbe - so genannte "Emergency Response Coordination Teams". Diese werden regelmäßig trainiert und führen entsprechende Übungen durch, teilweise unter Vorgabe eines fiktiven Szenarios. Sowohl bei den Trainings als auch im realen Schadensfall werden die Standortteams durch das Team der Konzernsicherheit unterstützt.

Wir bewerten regelmäßig die besonderen standortspezifischen Gefährdungen und richten die Übungen entsprechend danach aus. Aus den dann folgenden Auswertungen ermitteln wir einen möglichen Handlungsbedarf. Die lokalen Sicherheitsabteilungen werden auch hierbei durch die Konzernsicherheit beraten. Diese standort- und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit hat sich gerade auch in der Corona-Pandemie als sehr effektiv erwiesen.

Darüber hinaus haben wir an den einzelnen Standorten Vorbereitungen getroffen, um Gefahrenlagen zu begegnen. Beispielsweise halten wir entsprechendes Material und Geräte vor. Dadurch konnten wir z.B. auch die Hilfskräfte im Ahrtal mit einer Spende von dringend benötigtem Schlauchmaterial unterstützen. Auch haben wir zu Beginn der Corona-Pandemie externen Organisationen an den Standorten des Unternehmens mit Maskenspenden helfen können.

Krisenmagazin: Opel unterhält an den Standorte Kaiserslautern, Rüsselsheim und Eisenach eigene Werksfeuerwehren. Gleichzeitig existieren in Deutschland mehr als 100 Berufsfeuerwehren und rund 22.000 Freiwillige Feuerwehren. Wie ist die Zusammenarbeit mit diesen Einheiten - also das "Public Private Partnership" - diesseits und jenseits von Brandeinsätzen und Katastrophenfällen organisiert?

Michael Bernhard: Unsere Werkfeuerwehren decken den überwiegenden Teil des "täglichen" Geschäfts ab. Sie sind hervorragend ausgestattet und ausgebildet. Trotz allem kann es zu Schadensfällen kommen, bei denen wir die Unterstützung der öffentlichen Hilfsorganisationen brauchen. Dies üben wir an den Standorten mindestens einmal jährlich zusammen mit diesen Organisationen. Der enge Kontakt zu den verantwortlichen Personen ist uns dabei sehr wichtig und wird regelmäßig gepflegt.

So finden häufig beispielsweise die Grundausbildungslehrgänge der Berufsfeuerwehren bei uns an den Standorten statt. In deren Rahmen werden wir in Themen wie der technischen Rettung bei Verkehrsunfällen oder des anlagentechnischen Brandschutzes unterrichtet. Auch Ausbildungsbeamte zum gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst kommen regelmäßig zu uns an die Standorte und werden von uns in diesen Ausbildungsabschnitten begleitet. Das ist eine alte und wichtige Tradition der Feuerwehren, die wir gerne unterstützen.

Eine besondere Kooperation gibt es am Standort Kaiserslautern: Um die Eingreifzeiten rund um den Fertigungsstandort möglichst gering zu halten, kann die Werkfeuerwehr in diesen speziellen Bereichen die städtische Feuerwehr unterstützen und die Erstmaßnahmen abdecken. Eine echte Win-Win-Situation.

Krisenmagazin: Im Zuge der Mobilitätswende ist auch Opel in die Produktion von Elektro- und Hybridfahrzeugen eingestiegen. Gleichzeitig sorgen immer neue Schadensereignisse mit Elektrofahrzeugen für Schlagzeilen - beispielsweise im September 2021 der Großbrand in einem Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen. Mutmaßlich durch einen defekten Ladevorgang an einem E-Bus sind dort 25 E-Busse vollständig zerstört worden. Wie bereiten Sie sich auf solche neuen Herausforderungen in Ihrer täglichen Arbeit vor?

Michael Bernhard: Wir beobachten und analysieren die speziellen Herausforderungen der Elektromobilität natürlich sehr genau, auch zusammen mit unseren Entwicklungsabteilungen. Grundsätzlich ist es uns sehr wichtig herauszustellen, das E-Fahrzeuge nicht gefährlicher sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die Hilfskräfte müssen für solche Einsätze geschult und vorbereitet sein. Ich sehe hier eine ähnliche Unsicherheit wie bei der Einführung der Photovoltaik-Technik auf Dächern. Das Handling der neuen Herausforderungen wird auch bei der Elektromobilität über die Zeit zur Normalität im Einsatzgeschehen werden. Opel hat ein klares Statement zur künftigen Elektromobilität abgegeben und wird auch die Gefahrenabwehrkräfte dabei unterstützen, vorhandene Unsicherheiten abzubauen.

Standortübergreifend haben wir mit unseren Werkfeuerwehren und unserer Entwicklungsabteilung Fahrzeuge für Brandversuche zur Verfügung gestellt. Wir legen großen Wert darauf, dass das hierbei erlangte Wissen sämtlichen Einsatzkräften zur Verfügung gestellt wird. Diese brauchen Handlungssicherheit. Mit einem namhaften Löschtechnik-Hersteller haben wir ein Löschgerät speziell für Batteriefahrzeuge entwickelt und getestet. Dies ist nun auf dem Markt erhältlich. Zudem haben wir Versuche mit Brandbekämpfungsdecken umgesetzt. Diese können aus unserer Sicht gerade in Produktions- und Versuchsbereichen eine gute Möglichkeit sein, um eine schnelle Ausbreitung von Feuer und Rauch zu verhindern.

© 2022 Krisennavigator. Alle Rechte vorbehalten.
Stand der Informationen: 30. Januar 2022


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
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Krisenmagazin: In den zurückliegenden Monaten und Jahren war Rheinland-Pfalz immer wieder Schauplatz großer industrieller Schadensergebnisse und verheerender Naturkatastrophen - beispielsweise im Oktober 2016 bei der BASF in Ludwighafen oder im Juli 2021 im Ahrtal. Wie haben Sie sich auf vergleichbare Ereignisse in den Opel-Werken vorbereitet?

Michael Bernhard: Die einzelnen Standorte unterhalten eigene Krisenstäbe - so genannte "Emergency Response Coordination Teams". Diese werden regelmäßig trainiert und führen entsprechende Übungen durch, teilweise unter Vorgabe eines fiktiven Szenarios. Sowohl bei den Trainings als auch im realen Schadensfall werden die Standortteams durch das Team der Konzernsicherheit unterstützt.

Wir bewerten regelmäßig die besonderen standortspezifischen Gefährdungen und richten die Übungen entsprechend danach aus. Aus den dann folgenden Auswertungen ermitteln wir einen möglichen Handlungsbedarf. Die lokalen Sicherheitsabteilungen werden auch hierbei durch die Konzernsicherheit beraten. Diese standort- und abteilungsübergreifende Zusammenarbeit hat sich gerade auch in der Corona-Pandemie als sehr effektiv erwiesen.

Darüber hinaus haben wir an den einzelnen Standorten Vorbereitungen getroffen, um Gefahrenlagen zu begegnen. Beispielsweise halten wir entsprechendes Material und Geräte vor. Dadurch konnten wir z.B. auch die Hilfskräfte im Ahrtal mit einer Spende von dringend benötigtem Schlauchmaterial unterstützen. Auch haben wir zu Beginn der Corona-Pandemie externen Organisationen an den Standorten des Unternehmens mit Maskenspenden helfen können.

Krisenmagazin: Opel unterhält an den Standorte Kaiserslautern, Rüsselsheim und Eisenach eigene Werksfeuerwehren. Gleichzeitig existieren in Deutschland mehr als 100 Berufsfeuerwehren und rund 22.000 Freiwillige Feuerwehren. Wie ist die Zusammenarbeit mit diesen Einheiten - also das "Public Private Partnership" - diesseits und jenseits von Brandeinsätzen und Katastrophenfällen organisiert?

Michael Bernhard: Unsere Werkfeuerwehren decken den überwiegenden Teil des "täglichen" Geschäfts ab. Sie sind hervorragend ausgestattet und ausgebildet. Trotz allem kann es zu Schadensfällen kommen, bei denen wir die Unterstützung der öffentlichen Hilfsorganisationen brauchen. Dies üben wir an den Standorten mindestens einmal jährlich zusammen mit diesen Organisationen. Der enge Kontakt zu den verantwortlichen Personen ist uns dabei sehr wichtig und wird regelmäßig gepflegt.

So finden häufig beispielsweise die Grundausbildungslehrgänge der Berufsfeuerwehren bei uns an den Standorten statt. In deren Rahmen werden wir in Themen wie der technischen Rettung bei Verkehrsunfällen oder des anlagentechnischen Brandschutzes unterrichtet. Auch Ausbildungsbeamte zum gehobenen feuerwehrtechnischen Dienst kommen regelmäßig zu uns an die Standorte und werden von uns in diesen Ausbildungsabschnitten begleitet. Das ist eine alte und wichtige Tradition der Feuerwehren, die wir gerne unterstützen.

Eine besondere Kooperation gibt es am Standort Kaiserslautern: Um die Eingreifzeiten rund um den Fertigungsstandort möglichst gering zu halten, kann die Werkfeuerwehr in diesen speziellen Bereichen die städtische Feuerwehr unterstützen und die Erstmaßnahmen abdecken. Eine echte Win-Win-Situation.

Krisenmagazin: Im Zuge der Mobilitätswende ist auch Opel in die Produktion von Elektro- und Hybridfahrzeugen eingestiegen. Gleichzeitig sorgen immer neue Schadensereignisse mit Elektrofahrzeugen für Schlagzeilen - beispielsweise im September 2021 der Großbrand in einem Busdepot der Stuttgarter Straßenbahnen. Mutmaßlich durch einen defekten Ladevorgang an einem E-Bus sind dort 25 E-Busse vollständig zerstört worden. Wie bereiten Sie sich auf solche neuen Herausforderungen in Ihrer täglichen Arbeit vor?

Michael Bernhard: Wir beobachten und analysieren die speziellen Herausforderungen der Elektromobilität natürlich sehr genau, auch zusammen mit unseren Entwicklungsabteilungen. Grundsätzlich ist es uns sehr wichtig herauszustellen, das E-Fahrzeuge nicht gefährlicher sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Die Hilfskräfte müssen für solche Einsätze geschult und vorbereitet sein. Ich sehe hier eine ähnliche Unsicherheit wie bei der Einführung der Photovoltaik-Technik auf Dächern. Das Handling der neuen Herausforderungen wird auch bei der Elektromobilität über die Zeit zur Normalität im Einsatzgeschehen werden. Opel hat ein klares Statement zur künftigen Elektromobilität abgegeben und wird auch die Gefahrenabwehrkräfte dabei unterstützen, vorhandene Unsicherheiten abzubauen.

Standortübergreifend haben wir mit unseren Werkfeuerwehren und unserer Entwicklungsabteilung Fahrzeuge für Brandversuche zur Verfügung gestellt. Wir legen großen Wert darauf, dass das hierbei erlangte Wissen sämtlichen Einsatzkräften zur Verfügung gestellt wird. Diese brauchen Handlungssicherheit. Mit einem namhaften Löschtechnik-Hersteller haben wir ein Löschgerät speziell für Batteriefahrzeuge entwickelt und getestet. Dies ist nun auf dem Markt erhältlich. Zudem haben wir Versuche mit Brandbekämpfungsdecken umgesetzt. Diese können aus unserer Sicht gerade in Produktions- und Versuchsbereichen eine gute Möglichkeit sein, um eine schnelle Ausbreitung von Feuer und Rauch zu verhindern.

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Stand der Informationen: 30. Januar 2022

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Letzte Aktualisierung: Montag, 5. Dezember 2022

       

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