Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
25. Jahrgang (2022) - Ausgabe 5 (Mai) - ISSN 1619-2389
 
 KRISENMAGAZIN
   Zeitschrift für Krisenmanagement,
   Krisenkommunikation und Krisentraining
   ISSN 1867-7541
   www.krisenmagazin.de

"Wir glauben an unseren Weg und kommunizieren diesen auch transparent"

Mit ihrem rund 12.000 Kilometer langen Gasleitungsnetz gehört die Open Grid Europe GmbH (OGE) zu den führenden Fernleitungsnetzbetreibern in Europa. Einerseits nimmt die Bedeutung von Gaskraftwerken und die Erdgasnachfrage mit dem Ausstieg aus der Kernenergie und der Kohleverstromung stetig zu. Andererseits ist beim Umstieg auf grüne Gase wie Wasserstoff Augenmaß gefragt, damit neben dem Klimaschutz auch die Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt. Wie der herausfordernde Weg hin zur Erreichung der Klimaschutzziele kommunikativ begleitet wird und warum es von grünem Gas hin zum Vorwurf des Greenwashing nicht weit ist, erläutert Carolin Kielhorn im Gespräch mit dem Krisenmagazin. Die Pressesprecherin von OGE ist auch Referentin beim Krisenkommunikationsgipfel 2022 in Hamburg und digital.

Krisenmagazin: OGE durchläuft zurzeit eine Transformation hin zu einem "grünen Versorger". Durch das Gasleitungsnetz soll zukünftig anstelle von Erdgas insbesondere Wasserstoff transportiert werden. Folgt man dem Tesla-Chef Elon Musk, so ist Wasserstoff reine "Zeitverschwendung". Wie nehmen Sie die OGE-Beschäftigten in der internen Kommunikation mit, wenn die Zukunft des Wasserstoffs augenscheinlich nicht unumstritten ist?

Carolin Kielhorn: Bis 2030 sollen in Deutschland laut Klimaschutzgesetz 65 Prozent Treibhausgasminderung gegenüber 1990 erreicht werden. Aktuell wird über 80 Prozent der Energie in Deutschland durch Moleküle bereitgestellt, bei denen bislang nur ein geringer Teil dekarbonisiert ist. Für eine erfolgreiche Energiewende müssen aber CO2-haltige, molekulare Energieträger schnellstmöglich klimaneutral werden. Wasserstoff wird hierbei eine zentrale Rolle spielen, denn er ist in vielerlei Hinsicht der Schlüssel zum Erfolg: Er ist leicht zu speichern, leicht zu transportieren und er ermöglicht die Dekarbonisierung aller Wirtschaftszweige.

Ich glaube, dass 2045 kein Erdgas mehr durch unsere Leitungen fließen darf und wird. Wir als Unternehmen befinden uns – wie jeder Teil des Wirtschaftssystems – derzeit in einem enormen, komplexen Change-Prozess. Dieser bringt viele Herausforderungen mit sich, bietet aber zugleich auch viele Potenziale für OGE als wichtiges Element unseres zukünftigen Energiesystems. Darauf schwören wir unsere Mitarbeitenden ein und erklären diesen Veränderungsprozess intern wie extern. Hierzu nutzen wir eine Palette von verschiedenen kommunikativen Formaten, von der Videoansprache unserer Geschäftsführung bis hin zum Social Intranet, und treten in den Dialog mit allen Akteuren.

Krisenmagazin: Seit 2014 lädt OGE jeweils einmal im Jahr zum "Energiepolitischen Dialog" ein, um über Zukunftsthemen wie die klimaschutzkonforme Ausgestaltung der Energiewende zu diskutieren. Gleichzeitig scheint es Aktivistengruppen wie Fridays for Future aber gar nicht allein um den Klimaschutz zu gehen. Beispielsweise sagte eine Rednerin auf einer Demonstration im August 2021 in Frankfurt am Main wörtlich: "Das Überleben der Menschheit hängt von der Zerstörung des Kapitalismus ab". Kann im Lichte solch unterschiedlicher Ziele ein energiepolitischer Dialog überhaupt funktionieren?

Carolin Kielhorn: Grundsätzlich glaube ich an eine klare Kommunikation, die Haltung zeigt und Aspekte benennt. Das heißt, wir sprechen mit allen Akteuren offen über unsere Anliegen. Innerhalb des politischen Bereichs sind wir im steten Austausch mit allen gesprächsbereiten politischen Stakeholdern und führen stets einen sachlichen, offenen Diskurs über den besten Weg, wie zum Beispiel in der Frage der künftigen Regulierung von Wasserstoffnetzen.

Auch gesellschaftlichen Akteuren bieten wir den lösungsorientierten Dialog auf Augenhöhe an und unterbreiten hierzu adressatenorientierte Angebote. Wie bei jeder gesellschaftlichen Transformation gibt es aber auch Gruppen, denen alles nicht radikal und schnell genug geht. Deshalb kann es Kommunikationssituationen geben, die einfach Null oder Eins sind, wo kein Kompromiss, kein Ausgleich möglich ist. Da liegt es dann an uns, unsere Position klar aufzuzeigen und konsequent zu vertreten.

Krisenmagazin: Vor OGE hatte 2005 auch BP angekündigt "beyond petroleum" zu arbeiten und 2016 wollte EnBW ein "grüner Riese" werden. Damals dauerte es nicht lange bis Umweltschützer unisono von schlichtem "Greenwashing" sprachen. Was wollen Sie anders machen, damit dieser Vorwurf nicht auch bei der Transformation von OGE erhoben wird?

Carolin Kielhorn: Wir gestalten eine Transformation und wie eben gesagt, einen Change-Prozess, bei dem es um unseren Kern gehen wird. Der Vorwurf des Greenwashing wird oft ausgesprochen, wenn nicht "all in" gegangen wird oder es an Authentizität fehlt. Final können wir uns nicht davor schützen. Doch mit der Entscheidung, sich in der Zukunft primär auf den Transport von Wasserstoff zu fokussieren und unser zukünftiges Kerngeschäft ausschließlich darauf aufzubauen, ist OGE "all in" gegangen.

Wir glauben an unseren Weg und kommunizieren diesen auch transparent, basierend auf einer entsprechend ausgerichteten Unternehmensstrategie. Die Entscheidung war mutig und eine Entscheidung im Sinne unserer Glaubwürdigkeit und Reputation. Beides Aspekte, die uns schützen sollen, sollte unser Weg in Rede stehen. Wir labeln uns nicht. Wir zeigen konsequent, wie wir uns den Aufbau einer Wertschöpfungsketten übergreifenden Wasserstoffwirtschaft vorstellen. Konkret nutzen wir klare Botschaften-orientierte externe Kommunikation, Veranstaltungen und Mitarbeit in entscheidenden Gremien, wie beispielsweise dem Nationalen Wasserstoffrat oder in Verbänden.

Um dieses Bekenntnis auch in der Praxis zu unterstreichen, haben wir schon vor vielen Monaten unsere Leitungen auf H2-Tauglichkeit überprüft und unser Netz für den Wasserstofftransport vom TÜV zertifizieren lassen. Wir sind mit anderen Unternehmen in Projekten, welche die gesamte Anwendung von Wasserstoff im Sinne einer Wasserstoffwirtschaft vorbereiten, und dort leisten wir unseren Beitrag. Wir sind startklar, stellen uns dem Veränderungsprozess und bringen uns aktiv ein, um unseren Beitrag für den zügigen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und Europa zu leisten.

© 2022 Krisennavigator. Alle Rechte vorbehalten.
Stand der Informationen: 24. Januar 2022


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
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Krisenmagazin: OGE durchläuft zurzeit eine Transformation hin zu einem "grünen Versorger". Durch das Gasleitungsnetz soll zukünftig anstelle von Erdgas insbesondere Wasserstoff transportiert werden. Folgt man dem Tesla-Chef Elon Musk, so ist Wasserstoff reine "Zeitverschwendung". Wie nehmen Sie die OGE-Beschäftigten in der internen Kommunikation mit, wenn die Zukunft des Wasserstoffs augenscheinlich nicht unumstritten ist?

Carolin Kielhorn: Bis 2030 sollen in Deutschland laut Klimaschutzgesetz 65 Prozent Treibhausgasminderung gegenüber 1990 erreicht werden. Aktuell wird über 80 Prozent der Energie in Deutschland durch Moleküle bereitgestellt, bei denen bislang nur ein geringer Teil dekarbonisiert ist. Für eine erfolgreiche Energiewende müssen aber CO2-haltige, molekulare Energieträger schnellstmöglich klimaneutral werden. Wasserstoff wird hierbei eine zentrale Rolle spielen, denn er ist in vielerlei Hinsicht der Schlüssel zum Erfolg: Er ist leicht zu speichern, leicht zu transportieren und er ermöglicht die Dekarbonisierung aller Wirtschaftszweige.

Ich glaube, dass 2045 kein Erdgas mehr durch unsere Leitungen fließen darf und wird. Wir als Unternehmen befinden uns – wie jeder Teil des Wirtschaftssystems – derzeit in einem enormen, komplexen Change-Prozess. Dieser bringt viele Herausforderungen mit sich, bietet aber zugleich auch viele Potenziale für OGE als wichtiges Element unseres zukünftigen Energiesystems. Darauf schwören wir unsere Mitarbeitenden ein und erklären diesen Veränderungsprozess intern wie extern. Hierzu nutzen wir eine Palette von verschiedenen kommunikativen Formaten, von der Videoansprache unserer Geschäftsführung bis hin zum Social Intranet, und treten in den Dialog mit allen Akteuren.

Krisenmagazin: Seit 2014 lädt OGE jeweils einmal im Jahr zum "Energiepolitischen Dialog" ein, um über Zukunftsthemen wie die klimaschutzkonforme Ausgestaltung der Energiewende zu diskutieren. Gleichzeitig scheint es Aktivistengruppen wie Fridays for Future aber gar nicht allein um den Klimaschutz zu gehen. Beispielsweise sagte eine Rednerin auf einer Demonstration im August 2021 in Frankfurt am Main wörtlich: "Das Überleben der Menschheit hängt von der Zerstörung des Kapitalismus ab". Kann im Lichte solch unterschiedlicher Ziele ein energiepolitischer Dialog überhaupt funktionieren?

Carolin Kielhorn: Grundsätzlich glaube ich an eine klare Kommunikation, die Haltung zeigt und Aspekte benennt. Das heißt, wir sprechen mit allen Akteuren offen über unsere Anliegen. Innerhalb des politischen Bereichs sind wir im steten Austausch mit allen gesprächsbereiten politischen Stakeholdern und führen stets einen sachlichen, offenen Diskurs über den besten Weg, wie zum Beispiel in der Frage der künftigen Regulierung von Wasserstoffnetzen.

Auch gesellschaftlichen Akteuren bieten wir den lösungsorientierten Dialog auf Augenhöhe an und unterbreiten hierzu adressatenorientierte Angebote. Wie bei jeder gesellschaftlichen Transformation gibt es aber auch Gruppen, denen alles nicht radikal und schnell genug geht. Deshalb kann es Kommunikationssituationen geben, die einfach Null oder Eins sind, wo kein Kompromiss, kein Ausgleich möglich ist. Da liegt es dann an uns, unsere Position klar aufzuzeigen und konsequent zu vertreten.

Krisenmagazin: Vor OGE hatte 2005 auch BP angekündigt "beyond petroleum" zu arbeiten und 2016 wollte EnBW ein "grüner Riese" werden. Damals dauerte es nicht lange bis Umweltschützer unisono von schlichtem "Greenwashing" sprachen. Was wollen Sie anders machen, damit dieser Vorwurf nicht auch bei der Transformation von OGE erhoben wird?

Carolin Kielhorn: Wir gestalten eine Transformation und wie eben gesagt, einen Change-Prozess, bei dem es um unseren Kern gehen wird. Der Vorwurf des Greenwashing wird oft ausgesprochen, wenn nicht "all in" gegangen wird oder es an Authentizität fehlt. Final können wir uns nicht davor schützen. Doch mit der Entscheidung, sich in der Zukunft primär auf den Transport von Wasserstoff zu fokussieren und unser zukünftiges Kerngeschäft ausschließlich darauf aufzubauen, ist OGE "all in" gegangen.

Wir glauben an unseren Weg und kommunizieren diesen auch transparent, basierend auf einer entsprechend ausgerichteten Unternehmensstrategie. Die Entscheidung war mutig und eine Entscheidung im Sinne unserer Glaubwürdigkeit und Reputation. Beides Aspekte, die uns schützen sollen, sollte unser Weg in Rede stehen. Wir labeln uns nicht. Wir zeigen konsequent, wie wir uns den Aufbau einer Wertschöpfungsketten übergreifenden Wasserstoffwirtschaft vorstellen. Konkret nutzen wir klare Botschaften-orientierte externe Kommunikation, Veranstaltungen und Mitarbeit in entscheidenden Gremien, wie beispielsweise dem Nationalen Wasserstoffrat oder in Verbänden.

Um dieses Bekenntnis auch in der Praxis zu unterstreichen, haben wir schon vor vielen Monaten unsere Leitungen auf H2-Tauglichkeit überprüft und unser Netz für den Wasserstofftransport vom TÜV zertifizieren lassen. Wir sind mit anderen Unternehmen in Projekten, welche die gesamte Anwendung von Wasserstoff im Sinne einer Wasserstoffwirtschaft vorbereiten, und dort leisten wir unseren Beitrag. Wir sind startklar, stellen uns dem Veränderungsprozess und bringen uns aktiv ein, um unseren Beitrag für den zügigen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und Europa zu leisten.

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Letzte Aktualisierung: Montag, 16. Mai 2022

       

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