Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
20. Jahrgang (2017) - Ausgabe 4 (April) - ISSN 1619-2389
 
 KRISENMAGAZIN
   Zeitschrift für Krisenmanagement,
   Krisenkommunikation und Krisentraining
   ISSN 1867-7541
   www.krisenmagazin.de

"Lieber sagen wir gar nichts, als dass wir Halbgares oder Unvollständiges in die Welt setzen"

Bielefeld - Seit über 125 Jahren versorgt die Dr. August Oetker KG mit Sitz in Bielefeld Menschen auf allen fünf Kontinenten mit Nahrungsmitteln und Getränken, engagiert sich in der Schifffahrt und in der chemischen Industrie, betreibt Luxushotels und eine Privatbank. Produktrückrufen und Anspruchsgruppenprotesten zum Trotz, blieb das Unternehmen von größeren Krisen und Skandalen bislang weitgehend verschont. Dr. Jörg Schillinger, Hauptabteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher des Unternehmens, hat als Präsident des Berufsverbands der Pressesprecher auch unternehmensübergreifende Themen im Blick. Im Rahmen des Krisenkommunikationsgipfel 2017 in Leipzig diskutiert er die Herausforderungen und Fehler der Krisenkommunikation in Unternehmen, Verbänden und der Politik.

Krisenmagazin: Die Marke Dr. Oetker zählt seit vielen Jahren zu den glaubwürdigsten Konsumgütermarken in Deutschland. Gleichzeitig nimmt das Vertrauen der Bundesbürger in politische Entscheidungsträger kontinuierlich ab. Was kann die politische Kommunikation von der Unternehmenskommunikation von Oekter lernen?

Dr. Jörg Schillinger: Als ostwestfälisch geprägtes Familienunternehmen kommunizieren wir gemäß unserer Unternehmenskultur bodenständig, ehrlich und berechenbar. Lieber sagen wir gar nichts, als dass wir Halbgares oder Unvollständiges in die Welt setzen. Mit dieser zugegeben manchmal etwas zurückhaltenden Informationspolitik haben wir es in den letzten 125 Jahren vermocht, dass sowohl die Marke als auch das Unternehmen das Vertrauen der Anspruchsgruppen genießen. Vielleicht ist das ein Rezept auch für die Politik?

Krisenmagazin: Wer Nahrungsmittel produziert und über 30.000 Menschen in rund 400 Firmen beschäftigt, bleibt von Krisen und Skandalen naturgemäß nicht ganz verschont. Dennoch sorgt Oetker - anders als Wettbewerber mit Pferdefleisch in Pizzen oder öffentlichkeitswirksam verliehenen Negativpreisen - eher selten für Negativschlagzeilen. Was machen Sie in Ihrer Kommunikationsarbeit anders als die Konkurrenz?

Dr. Jörg Schillinger: Die dezentral ausgerichteten Unternehmen der Oetker-Gruppe stellen ihre Leistungen und Produkte in den Mittelpunkt ihrer Kommunikation. Natürlich gibt es Geschichten um und mit Menschen, die für uns tätig sind, denn diese sind der Mittelpunkt unserer Unternehmenskultur. Aber der Schwerpunkt der Kommunikation liegt immer auf unseren Produkten und unseren Marken, die tagtäglich ihre Qualität unter Beweis stellen. Darin unterscheiden wir uns vielleicht von anderen Unternehmen.

Krisenmagazin: Oetker ist in den Sozialen Medien auf zahlreichen Kanälen recht aktiv. Allein die Haupt-Facebook-Seite hat rund eine halbe Million Fans. Gleichzeitig haftet Familienunternehmen immer noch der Nimbus der Behäbigkeit und des Denkens in Generationen - statt in Echtzeit - an. Wie haben Sie hausintern für die nötige Beschleunigung gesorgt, um beispielsweise auf Shitstorms schnell genug reagieren zu können?

Dr. Jörg Schillinger: Wir haben, unter Führung der Kommunikationsabteilung, mit allen am Prozess beteiligten Abteilungen ein ausgefeiltes Krisenmanagement erarbeitet, bei dem insbesondere eine reibungslose Kommunikation im Mittelpunkt steht. Nach dessen Fertigstellung haben wir es, mit Richard Oetker persönlich an der Spitze, den relevanten Managern erklärt und gemeinsam für die Einführung in allen rund 40 Dr. Oetker-Landesgesellschaften gesorgt. Regelmäßig stattfindende Krisenübungen sorgen dafür, dass alle Abläufe bestmöglich funktionieren. Darüber hinaus treffe ich in meiner Funktion als globaler Krisenmanager in jeder Woche mit meinem Krisenkernteam zusammen, um stets auf dem aktuellsten Stand von Entwicklungen zu sein.

© 2017 Krisennavigator. Alle Rechte vorbehalten.
Stand der Informationen: 14. Februar 2017.


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
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Bielefeld - Seit über 125 Jahren versorgt die Dr. August Oetker KG mit Sitz in Bielefeld Menschen auf allen fünf Kontinenten mit Nahrungsmitteln und Getränken, engagiert sich in der Schifffahrt und in der chemischen Industrie, betreibt Luxushotels und eine Privatbank. Produktrückrufen und Anspruchsgruppenprotesten zum Trotz, blieb das Unternehmen von größeren Krisen und Skandalen bislang weitgehend verschont. Dr. Jörg Schillinger, Hauptabteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher des Unternehmens, hat als Präsident des Berufsverbands der Pressesprecher auch unternehmensübergreifende Themen im Blick. Im Rahmen des Krisenkommunikationsgipfel 2017 in Leipzig diskutiert er die Herausforderungen und Fehler der Krisenkommunikation in Unternehmen, Verbänden und der Politik.

Krisenmagazin: Die Marke Dr. Oetker zählt seit vielen Jahren zu den glaubwürdigsten Konsumgütermarken in Deutschland. Gleichzeitig nimmt das Vertrauen der Bundesbürger in politische Entscheidungsträger kontinuierlich ab. Was kann die politische Kommunikation von der Unternehmenskommunikation von Oekter lernen?

Dr. Jörg Schillinger: Als ostwestfälisch geprägtes Familienunternehmen kommunizieren wir gemäß unserer Unternehmenskultur bodenständig, ehrlich und berechenbar. Lieber sagen wir gar nichts, als dass wir Halbgares oder Unvollständiges in die Welt setzen. Mit dieser zugegeben manchmal etwas zurückhaltenden Informationspolitik haben wir es in den letzten 125 Jahren vermocht, dass sowohl die Marke als auch das Unternehmen das Vertrauen der Anspruchsgruppen genießen. Vielleicht ist das ein Rezept auch für die Politik?

Krisenmagazin: Wer Nahrungsmittel produziert und über 30.000 Menschen in rund 400 Firmen beschäftigt, bleibt von Krisen und Skandalen naturgemäß nicht ganz verschont. Dennoch sorgt Oetker - anders als Wettbewerber mit Pferdefleisch in Pizzen oder öffentlichkeitswirksam verliehenen Negativpreisen - eher selten für Negativschlagzeilen. Was machen Sie in Ihrer Kommunikationsarbeit anders als die Konkurrenz?

Dr. Jörg Schillinger: Die dezentral ausgerichteten Unternehmen der Oetker-Gruppe stellen ihre Leistungen und Produkte in den Mittelpunkt ihrer Kommunikation. Natürlich gibt es Geschichten um und mit Menschen, die für uns tätig sind, denn diese sind der Mittelpunkt unserer Unternehmenskultur. Aber der Schwerpunkt der Kommunikation liegt immer auf unseren Produkten und unseren Marken, die tagtäglich ihre Qualität unter Beweis stellen. Darin unterscheiden wir uns vielleicht von anderen Unternehmen.

Krisenmagazin: Oetker ist in den Sozialen Medien auf zahlreichen Kanälen recht aktiv. Allein die Haupt-Facebook-Seite hat rund eine halbe Million Fans. Gleichzeitig haftet Familienunternehmen immer noch der Nimbus der Behäbigkeit und des Denkens in Generationen - statt in Echtzeit - an. Wie haben Sie hausintern für die nötige Beschleunigung gesorgt, um beispielsweise auf Shitstorms schnell genug reagieren zu können?

Dr. Jörg Schillinger: Wir haben, unter Führung der Kommunikationsabteilung, mit allen am Prozess beteiligten Abteilungen ein ausgefeiltes Krisenmanagement erarbeitet, bei dem insbesondere eine reibungslose Kommunikation im Mittelpunkt steht. Nach dessen Fertigstellung haben wir es, mit Richard Oetker persönlich an der Spitze, den relevanten Managern erklärt und gemeinsam für die Einführung in allen rund 40 Dr. Oetker-Landesgesellschaften gesorgt. Regelmäßig stattfindende Krisenübungen sorgen dafür, dass alle Abläufe bestmöglich funktionieren. Darüber hinaus treffe ich in meiner Funktion als globaler Krisenmanager in jeder Woche mit meinem Krisenkernteam zusammen, um stets auf dem aktuellsten Stand von Entwicklungen zu sein.

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