Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
20. Jahrgang (2017) - Ausgabe 5 (Mai) - ISSN 1619-2389
 
 KRISENMAGAZIN
   Zeitschrift für Krisenmanagement,
   Krisenkommunikation und Krisentraining
   ISSN 1867-7541
   www.krisenmagazin.de

"Eine Strafanzeige ist oft nur eine PR-Maßnahme im Kampf um die öffentliche Meinung"

Wenn internationale Anwaltskanzleien komplette Gesetzesvorlagen entwerfen, Mobilfunkdienstleister die Kunden beim Datenroaming "abzocken" oder koreanische Elektronikkonzerne mit zweifelhaften Führungsprinzipien gelenkt werden, ist Marcus Rohwetter zur Stelle. Der Wirtschaftsredakteur bei der Wochenzeitung DIE ZEIT in Hamburg deckt immer wieder Misstände in Wirtschaft und Gesellschaft auf, macht sie öffentlich und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Im Rahmen des Zertifikatslehrgangs "Krisenkommunikationsmanager/in" der Deutschen Gesellschaft für Krisenmangement e.V. (DGfKM) in Hamburg gewährt er Krisenbeauftragten und Kommunikationsmanagern Einblicke in die Krisenberichterstattung aus Sicht eines Wirtschaftsjournalisten.

Krisenmagazin: Seit "Wikileaks" und den "Panama Papers" stehen "Insider" und "Whistleblower" als angebliche Impulsgeber für die Berichterstattung über Krisen- und Skandalfälle hoch im Kurs. Woher bekommen Sie die Impulse für Ihre kritischen Wirtschaftsartikel und für ihre wöchentliche Konsumkolumne "Quengelzone"?

Marcus Rohwetter: Vor ein paar Jahren hätte man statt "Whistleblower" oder "Insider" noch "Informant" oder "Quelle" gesagt, das ist also nichts Neues. Impulse für Recherchen entstehen einerseits, wenn sich jemand bewusst an DIE ZEIT wendet. Oft löst jedoch auch die aufmerksame Beobachtung eine Recherche aus: Wer zuhört, worüber Menschen reden, der erfährt, was sie bewegt, worüber sie sich ärgern und welche Fragen sie sich stellen. An dieser Stelle beginnt die journalistische Arbeit.

Krisenmagazin: Medien berichten oft bereits in einem sehr frühen Stadium über angebliche Unregelmäßigkeiten in Unternehmen und Behörden. An die Zulässigkeit einer solchen Verdachtsberichterstattung stellt der Bundesgerichtshof vergleichsweise hohe Anforderungen. Woran messen Sie im Berufsalltag den "Mindestbestand an Beweistatsachen" und einen "Vorgang von gravierendem Gewicht"?

Marcus Rohwetter: Unsere wöchentliche Erscheinungsweise lässt uns vergleichsweise viel Zeit für Recherche und das Reflektieren der eigenen Arbeit. Steht ein Verdacht im Raum, der die Belange der Allgemeinheit in besonderem Maße betrifft, gehen wir der Sache nach – wobei längst nicht jede Recherche zu einer Veröffentlichung führt. Staatsanwaltliche Ermittlungen sind ein gutes Indiz. Den bloßen Eingang einer Strafanzeige sollte man demgegenüber nicht überbewerten, das ist leider oft auch nur eine PR-Maßnahme im Kampf um die öffentliche Meinung.

Krisenmagazin: Spektakuläre Enthüllungsgeschichten kommen meist recht eruptiv an die Öffentlichkeit. Trotzdem sind Journalisten angehalten, regelmäßig vor der Veröffentlichung eine Stellungnahme des Betroffenen einzuholen. Wie gewährleisten Sie dies in der Praxis, ohne den "schlafenden Hund" noch rechzeitig genug zu wecken und die Geschichte "zerbeißen" zu lassen?

Marcus Rohwetter: "Geschichte zerbeißen" klingt mir zu sehr nach Voreingenommenheit. Natürlich muss jemand die Chance bekommen, seine Sicht der Dinge darzustellen. Wieviel Zeit dafür angemessen ist, hängt vom Einzelfall ab. Der Pressesprecher eines internationalen Konzerns wird sich schneller äußern können, wenn das Thema bekannt ist und ohnehin gegenwärtig öffentlich debattiert wird. Anders ist es, wenn es sich beispielsweise um einen bisher unbekannten Korruptionsvorwurf bei einer ausländischen Tochtergesellschaft handelt.

Foto: Elfriede Liebenow.
© 2016 Krisennavigator. Alle Rechte vorbehalten.
Stand der Informationen: 07. September 2016.


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Wenn internationale Anwaltskanzleien komplette Gesetzesvorlagen entwerfen, Mobilfunkdienstleister die Kunden beim Datenroaming "abzocken" oder koreanische Elektronikkonzerne mit zweifelhaften Führungsprinzipien gelenkt werden, ist Marcus Rohwetter zur Stelle. Der Wirtschaftsredakteur bei der Wochenzeitung DIE ZEIT in Hamburg deckt immer wieder Misstände in Wirtschaft und Gesellschaft auf, macht sie öffentlich und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet. Im Rahmen des Zertifikatslehrgangs "Krisenkommunikationsmanager/in" der Deutschen Gesellschaft für Krisenmangement e.V. (DGfKM) in Hamburg gewährt er Krisenbeauftragten und Kommunikationsmanagern Einblicke in die Krisenberichterstattung aus Sicht eines Wirtschaftsjournalisten.

Krisenmagazin: Seit "Wikileaks" und den "Panama Papers" stehen "Insider" und "Whistleblower" als angebliche Impulsgeber für die Berichterstattung über Krisen- und Skandalfälle hoch im Kurs. Woher bekommen Sie die Impulse für Ihre kritischen Wirtschaftsartikel und für ihre wöchentliche Konsumkolumne "Quengelzone"?

Marcus Rohwetter: Vor ein paar Jahren hätte man statt "Whistleblower" oder "Insider" noch "Informant" oder "Quelle" gesagt, das ist also nichts Neues. Impulse für Recherchen entstehen einerseits, wenn sich jemand bewusst an DIE ZEIT wendet. Oft löst jedoch auch die aufmerksame Beobachtung eine Recherche aus: Wer zuhört, worüber Menschen reden, der erfährt, was sie bewegt, worüber sie sich ärgern und welche Fragen sie sich stellen. An dieser Stelle beginnt die journalistische Arbeit.

Krisenmagazin: Medien berichten oft bereits in einem sehr frühen Stadium über angebliche Unregelmäßigkeiten in Unternehmen und Behörden. An die Zulässigkeit einer solchen Verdachtsberichterstattung stellt der Bundesgerichtshof vergleichsweise hohe Anforderungen. Woran messen Sie im Berufsalltag den "Mindestbestand an Beweistatsachen" und einen "Vorgang von gravierendem Gewicht"?

Marcus Rohwetter: Unsere wöchentliche Erscheinungsweise lässt uns vergleichsweise viel Zeit für Recherche und das Reflektieren der eigenen Arbeit. Steht ein Verdacht im Raum, der die Belange der Allgemeinheit in besonderem Maße betrifft, gehen wir der Sache nach – wobei längst nicht jede Recherche zu einer Veröffentlichung führt. Staatsanwaltliche Ermittlungen sind ein gutes Indiz. Den bloßen Eingang einer Strafanzeige sollte man demgegenüber nicht überbewerten, das ist leider oft auch nur eine PR-Maßnahme im Kampf um die öffentliche Meinung.

Krisenmagazin: Spektakuläre Enthüllungsgeschichten kommen meist recht eruptiv an die Öffentlichkeit. Trotzdem sind Journalisten angehalten, regelmäßig vor der Veröffentlichung eine Stellungnahme des Betroffenen einzuholen. Wie gewährleisten Sie dies in der Praxis, ohne den "schlafenden Hund" noch rechzeitig genug zu wecken und die Geschichte "zerbeißen" zu lassen?

Marcus Rohwetter: "Geschichte zerbeißen" klingt mir zu sehr nach Voreingenommenheit. Natürlich muss jemand die Chance bekommen, seine Sicht der Dinge darzustellen. Wieviel Zeit dafür angemessen ist, hängt vom Einzelfall ab. Der Pressesprecher eines internationalen Konzerns wird sich schneller äußern können, wenn das Thema bekannt ist und ohnehin gegenwärtig öffentlich debattiert wird. Anders ist es, wenn es sich beispielsweise um einen bisher unbekannten Korruptionsvorwurf bei einer ausländischen Tochtergesellschaft handelt.

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Letzte Aktualisierung: Freitag, 26. Mai 2017

       

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