Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
19. Jahrgang (2016) - Ausgabe 8 (August) - ISSN 1619-2389
 

MVG AG in München

von Prof. Dr. Jens Leker

Kaum eine andere Branche ist so stark von Trends abhängig wie die Bekleidungsindustrie. Wer heute "in" ist und Spitzengewinne einfährt, kann sich durch eine Fehleinschätzung des Marktes schon morgen in eine schwere Krise manövrieren.

Dieses Risiko verlangt von den Bekleidungsunternehmen eine äußerst flexible Reaktion auf die wechselnden Marktanforderungen. Insbesondere durch die hohen Lohnkosten, die in der Branche rund 50 Prozent des Produktpreises ausmachen, wird die Flexibilität erschwert. Viele Unternehmen reagieren hierauf mit einer Verlagerung der eigenen Produktion in Niedriglohnländer oder lassen in diesen Ländern ihre Kollektionen von Fremdfirmen produzieren. Letzteres führt damit zur Verlagerung des Risikos auf den Zulieferer.

Eine einheitliche Branchenkonjunktur gibt es im Bekleidungsgewerbe ohnehin nicht. Die einzelnen Sparten, Damen- und Herren-, Sport- und Freizeitbekleidung sowie Strümpfe, zeigen höchst unterschiedliches Wachstum. Daher gilt es, bei den Modeaktien stärker als bisher zu selektieren. Eine wichtige Analysekennzahl ist der Erfolg, hier definiert als Jahresergebnis plus Zinsaufwand plus Steuern von Einkommen und Ertrag plus abgeführte Gewinne minus Verlustübernahmen.

Exemplarisch soll der Jahresabschluß 1989 der MVG AG analysiert werden. Der Erfolg des Unternehmens ist seit der Börseneinführung beständig zurückgegangen. Im Geschäftsjahr 1989 immerhin um fast 60 Prozent. Mangelnde Liquidität und Substanz lassen bei anhaltender Talfahrt das Schlimmste befürchten. Das im Jahr 1990 veröffentlichte Zwischenergebnis, nachdem der Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um über 20 Prozent zulegen konnte, ist noch lange kein Entwarnungssignal.

Besonders erstaunlich ist die Bilanzstruktur der MVG AG. Sie hat über 90 Prozent ihrer Mittel im Umlaufvermögen gebunden. Die bei stagnierendem Umsatz stark angestiegenen Forderungen und Warenbestände zeigen eine krisenhafteEntwicklung, die durch die kontinuierliche Ausschüttungspolitik noch nicht zu Tage tritt.

Die MVG AG konnte die diagnostizierte Unternehmenskrise nicht überwinden und wurde 1991 insolvent.

Autor

Prof. Dr. Jens Leker
Institut für betriebswirtschaftliches Management
im Fachbereich Chemie und Pharmazie
Westfälische Wilhelms-Universität
Leonardo Campus 1
D-48149 Münster
Telefon: +49 (0)251 83 318 10
Telefax: +49 (0)251 83 318 18
Internet: www.wirtschaftschemie.de
E-Mail: leker@krisennavigator.de

 

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
1. Jahrgang (1998), Ausgabe 2 (Dezember)


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
© Krisennavigator 1998-2016. Alle Rechte vorbehalten.
Internet:
www.krisennavigator.de | E-Mail: poststelle@ifk-kiel.de

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MVG AG in München

von Prof. Dr. Jens Leker

Kaum eine andere Branche ist so stark von Trends abhängig wie die Bekleidungsindustrie. Wer heute "in" ist und Spitzengewinne einfährt, kann sich durch eine Fehleinschätzung des Marktes schon morgen in eine schwere Krise manövrieren.

Dieses Risiko verlangt von den Bekleidungsunternehmen eine äußerst flexible Reaktion auf die wechselnden Marktanforderungen. Insbesondere durch die hohen Lohnkosten, die in der Branche rund 50 Prozent des Produktpreises ausmachen, wird die Flexibilität erschwert. Viele Unternehmen reagieren hierauf mit einer Verlagerung der eigenen Produktion in Niedriglohnländer oder lassen in diesen Ländern ihre Kollektionen von Fremdfirmen produzieren. Letzteres führt damit zur Verlagerung des Risikos auf den Zulieferer.

Eine einheitliche Branchenkonjunktur gibt es im Bekleidungsgewerbe ohnehin nicht. Die einzelnen Sparten, Damen- und Herren-, Sport- und Freizeitbekleidung sowie Strümpfe, zeigen höchst unterschiedliches Wachstum. Daher gilt es, bei den Modeaktien stärker als bisher zu selektieren. Eine wichtige Analysekennzahl ist der Erfolg, hier definiert als Jahresergebnis plus Zinsaufwand plus Steuern von Einkommen und Ertrag plus abgeführte Gewinne minus Verlustübernahmen.

Exemplarisch soll der Jahresabschluß 1989 der MVG AG analysiert werden. Der Erfolg des Unternehmens ist seit der Börseneinführung beständig zurückgegangen. Im Geschäftsjahr 1989 immerhin um fast 60 Prozent. Mangelnde Liquidität und Substanz lassen bei anhaltender Talfahrt das Schlimmste befürchten. Das im Jahr 1990 veröffentlichte Zwischenergebnis, nachdem der Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um über 20 Prozent zulegen konnte, ist noch lange kein Entwarnungssignal.

Besonders erstaunlich ist die Bilanzstruktur der MVG AG. Sie hat über 90 Prozent ihrer Mittel im Umlaufvermögen gebunden. Die bei stagnierendem Umsatz stark angestiegenen Forderungen und Warenbestände zeigen eine krisenhafteEntwicklung, die durch die kontinuierliche Ausschüttungspolitik noch nicht zu Tage tritt.

Die MVG AG konnte die diagnostizierte Unternehmenskrise nicht überwinden und wurde 1991 insolvent.

Autor

Prof. Dr. Jens Leker
Institut für betriebswirtschaftliches Management
im Fachbereich Chemie und Pharmazie
Westfälische Wilhelms-Universität
Leonardo Campus 1
D-48149 Münster
Telefon: +49 (0)251 83 318 10
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1. Jahrgang (1998), Ausgabe 2 (Dezember)

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Letzte Aktualisierung: Freitag, 29. Juli 2016

       

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