Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
20. Jahrgang (2017) - Ausgabe 7 (Juli) - ISSN 1619-2389
 
 RESTRUKTURIERUNGSMAGAZIN
   Zeitschrift für Restrukturierung, Sanierung
   und strategische Unternehmensführung
   ISSN 1867-7517
   www.restrukturierungsmagazin.de

"Technologische Innovationen führen dazu, dass der Journalismus seine beste Zeit noch vor sich hat"

Jahrzehntelang waren Printprodukte die Flaggschiffe des Axel Springer Verlags. Heute prägen digitale Marken wie "Bild.de" oder "Business Insider“ das Portfolio der Axel Springer SE. Sie stehen damit exemplarisch für den konsequenten Digitalisierungskurs, den das Medienhaus bereits 2011 eingeleitet hat. Johannes Burr, Leiter des Personalmarketings und Change Managements der Axel Springer SE in Berlin, skizzierte im Rahmen des Restrukturierungsgipfel 2016 an der Frankfurt School of Finance and Management, wie Axel Springer den Transformationsprozess hin zum führenden digitalen Verlag in Europa gestaltet hat.

Restrukturierungsmagazin: Viele traditionelle Verlagshäuser in Deutschland kämpfen ums Überleben oder haben diesen Kampf bereits verloren. Die Axel Springer SE erwirtschaftet dagegen bereits jetzt knapp drei Viertel der Konzernerlöse mit digitalen Aktivitäten. Was hat Ihr Haus anders gemacht als seine Wettbewerber, um mit den Entwicklungen im Medienmarkt Schritt halten zu können?

Johannes Burr: Der Unternehmenserfolg der Axel Springer SE fußt vor allem auf zwei Säulen. Erstens auf der Internationalisierungs- und Digitalisierungsstrategie, die wir sehr frühzeitig und konsequent umgesetzt haben und der wir bis heute treu geblieben sind. Hinzu kommt zweitens die Erkenntnis, dass es in einem so radikal disruptiven Umfeld nicht nur erforderlich ist, Strategien, Prozesse und Strukturen zu modifizieren, sondern vor allem die Unternehmenskultur und die Art des Miteinander-Arbeitens zu verändern. Die Kombination aus beidem führt dazu, dass Axel Springer auf einem guten Weg in die Zukunft ist.

Restrukturierungsmagazin: Axel Springer hat Führungskräfte ins Silicon Valley geschickt, um den "digitalen Startup-Spirit" und "agile Führungskonzepte" aus Kalifornien in das eigene Haus zu holen. In einem rund 70 Jahre alten Unternehmen wird dieses vermutlich nicht ohne Widerstände abgelaufen sein. Was waren die größten Ressentiments und wie sind Sie damit umgegangen?

Johannes Burr: Das war schon eine überraschende und ungewöhnliche Maßnahme, die bei der einen oder anderen Führungskraft eine anfängliche Skepsis ausgelöst hat. Insbesondere deshalb, weil sich die Führungskräfte, aber auch die Mitarbeiter bei Axel Springer gefragt haben, wie ernst ist der Unternehmenswandel gewollt und gewünscht. Weil der Wandel aber von den Führungskräften und dem Vorstand initiiert, vorgelebt und mitgetragen worden war, sind die Maßnahmen zum Kulturwandel bei Axel Springer sehr gut angenommen worden. Von dem Ausflug ins Silicon Valley waren rückblickend alle - gerade ob der ungewöhnlichen Art der Reise - begeistert.

Restrukturierungsmagazin: Das zurückliegende Jahrzehnt war für viele Verlagshäuser von der - meist auch finanziell schmerzhaften - Umstellung von Printprodukten auf das Online-Geschäft geprägt. Auf welche weiteren Entwicklungen müssen sich Manager der Medienbranche im kommenden Jahrzehnt einstellen?

Johannes Burr: Die Veränderungsgeschwindigkeit in der Medienbranche wird eher noch zunehmen. Gerade die technologischen Innovationen führen dazu, dass der Journalismus seine beste Zeit noch vor sich hat. Das Bedürfnis von Menschen, gut recherchierte Informationen und gut aufbereitete Inhalte zu konsumieren, ist größer denn je. Für Manager in der Medienbranche bedeutet dies jedoch auch: Disruption als neuen Status Quo akzeptieren, Geschäftsmodelle fortlaufend überprüfen und immer wieder mit den neuen technologischen Möglichkeiten experimentieren. Und es bedeutet auch, Mitarbeiter für den Weg der digitalen Transformation zu begeistern und mitzunehmen.

© 2016 Krisennavigator. Alle Rechte vorbehalten.
Stand der Informationen: 19. September 2016. 


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
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Jahrzehntelang waren Printprodukte die Flaggschiffe des Axel Springer Verlags. Heute prägen digitale Marken wie "Bild.de" oder "Business Insider“ das Portfolio der Axel Springer SE. Sie stehen damit exemplarisch für den konsequenten Digitalisierungskurs, den das Medienhaus bereits 2011 eingeleitet hat. Johannes Burr, Leiter des Personalmarketings und Change Managements der Axel Springer SE in Berlin, skizzierte im Rahmen des Restrukturierungsgipfel 2016 an der Frankfurt School of Finance and Management, wie Axel Springer den Transformationsprozess hin zum führenden digitalen Verlag in Europa gestaltet hat.

Restrukturierungsmagazin: Viele traditionelle Verlagshäuser in Deutschland kämpfen ums Überleben oder haben diesen Kampf bereits verloren. Die Axel Springer SE erwirtschaftet dagegen bereits jetzt knapp drei Viertel der Konzernerlöse mit digitalen Aktivitäten. Was hat Ihr Haus anders gemacht als seine Wettbewerber, um mit den Entwicklungen im Medienmarkt Schritt halten zu können?

Johannes Burr: Der Unternehmenserfolg der Axel Springer SE fußt vor allem auf zwei Säulen. Erstens auf der Internationalisierungs- und Digitalisierungsstrategie, die wir sehr frühzeitig und konsequent umgesetzt haben und der wir bis heute treu geblieben sind. Hinzu kommt zweitens die Erkenntnis, dass es in einem so radikal disruptiven Umfeld nicht nur erforderlich ist, Strategien, Prozesse und Strukturen zu modifizieren, sondern vor allem die Unternehmenskultur und die Art des Miteinander-Arbeitens zu verändern. Die Kombination aus beidem führt dazu, dass Axel Springer auf einem guten Weg in die Zukunft ist.

Restrukturierungsmagazin: Axel Springer hat Führungskräfte ins Silicon Valley geschickt, um den "digitalen Startup-Spirit" und "agile Führungskonzepte" aus Kalifornien in das eigene Haus zu holen. In einem rund 70 Jahre alten Unternehmen wird dieses vermutlich nicht ohne Widerstände abgelaufen sein. Was waren die größten Ressentiments und wie sind Sie damit umgegangen?

Johannes Burr: Das war schon eine überraschende und ungewöhnliche Maßnahme, die bei der einen oder anderen Führungskraft eine anfängliche Skepsis ausgelöst hat. Insbesondere deshalb, weil sich die Führungskräfte, aber auch die Mitarbeiter bei Axel Springer gefragt haben, wie ernst ist der Unternehmenswandel gewollt und gewünscht. Weil der Wandel aber von den Führungskräften und dem Vorstand initiiert, vorgelebt und mitgetragen worden war, sind die Maßnahmen zum Kulturwandel bei Axel Springer sehr gut angenommen worden. Von dem Ausflug ins Silicon Valley waren rückblickend alle - gerade ob der ungewöhnlichen Art der Reise - begeistert.

Restrukturierungsmagazin: Das zurückliegende Jahrzehnt war für viele Verlagshäuser von der - meist auch finanziell schmerzhaften - Umstellung von Printprodukten auf das Online-Geschäft geprägt. Auf welche weiteren Entwicklungen müssen sich Manager der Medienbranche im kommenden Jahrzehnt einstellen?

Johannes Burr: Die Veränderungsgeschwindigkeit in der Medienbranche wird eher noch zunehmen. Gerade die technologischen Innovationen führen dazu, dass der Journalismus seine beste Zeit noch vor sich hat. Das Bedürfnis von Menschen, gut recherchierte Informationen und gut aufbereitete Inhalte zu konsumieren, ist größer denn je. Für Manager in der Medienbranche bedeutet dies jedoch auch: Disruption als neuen Status Quo akzeptieren, Geschäftsmodelle fortlaufend überprüfen und immer wieder mit den neuen technologischen Möglichkeiten experimentieren. Und es bedeutet auch, Mitarbeiter für den Weg der digitalen Transformation zu begeistern und mitzunehmen.

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Letzte Aktualisierung: Dienstag, 25. Juli 2017

       

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