Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
19. Jahrgang (2016) - Ausgabe 9 (September) - ISSN 1619-2389
 

Externes Krisenmanagement aus Sicht der Banken

Rezension von Prof. Dr. Thomas Möhlmann-Mahlau

In seiner sehr umfangreichen wie inhaltsreichen Schrift widmet sich Dr. Sven David der Einbeziehung von Beratern und Interimsmanagern bei der Bewältigung von Unternehmenskrisen. Er thematisiert damit einen Komplex, der trotz seiner hohen praktischen Relevanz in der betriebswirtschaftlichen Literatur immer noch eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Von hohem Interesse ist das Werk zunächst per se - schließlich untersucht der Autor die Rolle des wohl wichtigsten Akteurs, den des externen Kreditgebers und im Regelfall auch größten Gläubigers. Insoweit ist der Blickwinkel der Bank nicht nur theoretisch interessant, sondern in der Praxis auch äußerst relevant. Kreditinstitute bestimmen in einer Mehrzahl von notleidenden Engagements Wege und Ausgestaltungsformen einer etwaigen Fortführung. Einen richtigen und wichtigen Ansatz liefert David in diesem Zusammenhang, indem er die Einflußfaktoren, die Bankentscheidungen zugrundeliegen, untersucht. Freilich sind die Parameter sehr zahlreich und deren jeweiliger Einfluß sehr situativ und kaum quantifizierbar.

Nach einer Auflistung von typisierten Fortführungs- und Sanierungsmaßnahmen widmet sich David der - vor allem für die Praxis hochinteressanten - Frage, welche Berufsgruppen als Träger eines externen Krisenmanagements besonders geeignet erscheinen. Die Erkenntnis, daß es die universell einsetzbare und adäquat qualifizierte Berufsgruppe nicht gibt, überrascht kaum. Insoweit erscheint es denn auch konsequent, den "ultimativen" Träger krisensituativ zu bestimmen. Die Praxis indes sieht etwas anders aus: Selten fallen Entscheidungen für oder gegen einen externen Berater vollumfänglich problembezogen, oftmals treten - geschmeichelt formuliert - übergeordnete Erwägungen hinzu.

Eine gelungene Abrundung des Buches stellt die empirische Untersuchung des Autors dar, die mit 149 ausgewerteten Fragebögen - vom Umfang her - als beachtlich bezeichnet werden darf. Die Befunde spiegeln dabei geradezu lehrbuchhaft die Sanierungspraxis wider: "It's people's business." Informelle Netzwerke, Referenzen und Erfahrungsberichte entscheiden in vielen Fällen über die Wahl des externen Beraters und damit letztlich auch über den Sanierungserfolg. Von einer transparenten und vornehmlich problembezogenen Beraterauswahl ist man jedenfalls - das macht David sehr deutlich - noch um Einiges entfernt.

Insgesamt merkt der Leser, daß die Schrift - obschon als Dissertation verfaßt - aus der Feder eines Sanierungspraktikers stammt. Dabei beeindruckt über den rein seitenmäßigen Umfang hinaus die Vielzahl der betrachteten Aspekte. Überdies wirkt die Mixtur aus deskriptiven, normativen und empirischen Ebenen grundsätzlich belebend, auch wenn man dieses aus rein wissenschaftlicher Perspektive nicht mit ungeteilter Freude aufnehmen mag. Weiß der Leser dieses jedoch zu trennen, handelt es sich um ein uneingeschränkt empfehlenswertes Buch, das Krisen- und Sanierungspraktikern in Kreditinstituten, Beratungsgesellschaften und Unternehmen Anregungen und Impulse geben wird.

Sven David,
Externes Krisenmanagement
aus Sicht der Banken,
Verlag Josef Eul, Lohmar, 2001
580 Seiten, EUR 55.22,
ISBN 3-89012-875-0

Über den Rezensenten

Der Rezensent, Prof. Dr. Thomas Möhlmann-Mahlau, lehrt
Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen.
E-Mail: tmoehlmann-mahlau(at)fbw.hs-bremen.de.

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
5. Jahrgang (2002), Ausgabe 2 (Februar)


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
© Krisennavigator 1998-2016. Alle Rechte vorbehalten.
Internet:
www.krisennavigator.de | E-Mail: poststelle@ifk-kiel.de

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Externes Krisenmanagement aus Sicht der Banken

Rezension von Prof. Dr. Thomas Möhlmann-Mahlau

In seiner sehr umfangreichen wie inhaltsreichen Schrift widmet sich Dr. Sven David der Einbeziehung von Beratern und Interimsmanagern bei der Bewältigung von Unternehmenskrisen. Er thematisiert damit einen Komplex, der trotz seiner hohen praktischen Relevanz in der betriebswirtschaftlichen Literatur immer noch eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Von hohem Interesse ist das Werk zunächst per se - schließlich untersucht der Autor die Rolle des wohl wichtigsten Akteurs, den des externen Kreditgebers und im Regelfall auch größten Gläubigers. Insoweit ist der Blickwinkel der Bank nicht nur theoretisch interessant, sondern in der Praxis auch äußerst relevant. Kreditinstitute bestimmen in einer Mehrzahl von notleidenden Engagements Wege und Ausgestaltungsformen einer etwaigen Fortführung. Einen richtigen und wichtigen Ansatz liefert David in diesem Zusammenhang, indem er die Einflußfaktoren, die Bankentscheidungen zugrundeliegen, untersucht. Freilich sind die Parameter sehr zahlreich und deren jeweiliger Einfluß sehr situativ und kaum quantifizierbar.

Nach einer Auflistung von typisierten Fortführungs- und Sanierungsmaßnahmen widmet sich David der - vor allem für die Praxis hochinteressanten - Frage, welche Berufsgruppen als Träger eines externen Krisenmanagements besonders geeignet erscheinen. Die Erkenntnis, daß es die universell einsetzbare und adäquat qualifizierte Berufsgruppe nicht gibt, überrascht kaum. Insoweit erscheint es denn auch konsequent, den "ultimativen" Träger krisensituativ zu bestimmen. Die Praxis indes sieht etwas anders aus: Selten fallen Entscheidungen für oder gegen einen externen Berater vollumfänglich problembezogen, oftmals treten - geschmeichelt formuliert - übergeordnete Erwägungen hinzu.

Eine gelungene Abrundung des Buches stellt die empirische Untersuchung des Autors dar, die mit 149 ausgewerteten Fragebögen - vom Umfang her - als beachtlich bezeichnet werden darf. Die Befunde spiegeln dabei geradezu lehrbuchhaft die Sanierungspraxis wider: "It's people's business." Informelle Netzwerke, Referenzen und Erfahrungsberichte entscheiden in vielen Fällen über die Wahl des externen Beraters und damit letztlich auch über den Sanierungserfolg. Von einer transparenten und vornehmlich problembezogenen Beraterauswahl ist man jedenfalls - das macht David sehr deutlich - noch um Einiges entfernt.

Insgesamt merkt der Leser, daß die Schrift - obschon als Dissertation verfaßt - aus der Feder eines Sanierungspraktikers stammt. Dabei beeindruckt über den rein seitenmäßigen Umfang hinaus die Vielzahl der betrachteten Aspekte. Überdies wirkt die Mixtur aus deskriptiven, normativen und empirischen Ebenen grundsätzlich belebend, auch wenn man dieses aus rein wissenschaftlicher Perspektive nicht mit ungeteilter Freude aufnehmen mag. Weiß der Leser dieses jedoch zu trennen, handelt es sich um ein uneingeschränkt empfehlenswertes Buch, das Krisen- und Sanierungspraktikern in Kreditinstituten, Beratungsgesellschaften und Unternehmen Anregungen und Impulse geben wird.

Sven David,
Externes Krisenmanagement
aus Sicht der Banken,
Verlag Josef Eul, Lohmar, 2001
580 Seiten, EUR 55.22,
ISBN 3-89012-875-0

Über den Rezensenten

Der Rezensent, Prof. Dr. Thomas Möhlmann-Mahlau, lehrt
Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Bremen.
E-Mail: tmoehlmann-mahlau(at)fbw.hs-bremen.de.

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
5. Jahrgang (2002), Ausgabe 2 (Februar)

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Letzte Aktualisierung: Dienstag, 27. September 2016

       

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