Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
19. Jahrgang (2016) - Ausgabe 10 (Oktober) - ISSN 1619-2389
 

Auch in Krisenzeiten Höchstleistungen bringen
und im inneren Gleichgewicht bleiben

von Dr. Wolfgang Stehling

Problemstellung

Dass Führungskräfte und deren Mitarbeiter Stress optimal bewältigen, liegt im Interesse eines jeden Unternehmens. Stress setzt Mitarbeiter unter Druck, führt zu Ineffektivität, zum "Krankfeiern" und belastet Unternehmen mit hohen Kosten. Nach Angaben des Institutes für Arbeit und Sozialhygiene (IAS) in Karlsruhe zeigen 85 Prozent der Manager und Führungskräfte bei Gesundheits-Check-ups vegetative Beschwerden - wie Schlafprobleme, Reizmagen, Verdauungsstörungen oder Herzstolpern. Ursache Nummer eins dafür ist Stress. Eine große Zahl von Herzkranzgefäßerkrankungen und damit Herzinfarktrisiken lassen sich nicht allein durch die bekannten organischen Gefährdungen erklären. Hier spielt Stress als psychischer Faktor eine große Rolle. Auch wenn die ererbte körperliche Verfassung ("Konstitution") und die erworbene körperliche Verfassung ("Kondition") stimmen, setzt uns eine falsche innere Einstellung nach wie vor höchster Stressgefährdung aus.

Ergebnisse der modernen Stress-Forschung

Neue Erkenntnisse der modernen Stress-Forschung bringen das alte Modell von Eu-Stress ("gutem Stress") und Dis-Stress ("schlechtem Stress") ins Wanken. Man hat nämlich erkannt, dass unkontrollierter Stress nicht unbedingt schaden muss. Die jüngste Stress-Forschung beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Stress auf die neuronalen Verknüpfungssysteme im Gehirn. Dabei wird zunehmend deutlich, dass Stress offensichtlich eine Anpassungsreaktion ist, die den Umgang des Organismus mit alten und neuen Herausforderungen optimiert. Bei kontrolliertem Stress halten wir den körperlichen und psychischen Belastungen stand. Wir entwickeln unser Stressprofil aber nicht weiter. Unkontrollierter Stress hingegen scheint - nach Huether - nicht nur negativ zu sein (Dis-Stress), sondern versetzt unser Gehirn in die Lage, flexibel zu werden und zukünftigen Belastungen gegenüber besser gewappnet zu sein.

Praktische Tipps für Manager

Vielfach sind Manager nicht bereit, an den Kleinigkeiten des beruflichen Alltags - also den kleinen oder den Noch-nicht-Krisen - ihre Fähigkeiten des Umgangs mit Stress zu trainieren. Allerdings werden sie diese Instrumente dann auch nicht parat haben, wenn es gilt, große Krisen auch mental zu meistern. Daher sollten die drei Säulen einer effektiven Stressbewältigung - Konzentration, Ziele setzen und Gelassenheit - in kleinen Trainingseinheiten des Alltags regelmäßig angewandt werden ("Fitness-Parcours").

  • Training der Konzentration

    • Niemals zwei oder drei Dinge gleichzeitig erledigen.
    • Lästige Arbeiten nicht aufschieben, sondern Unangenehmes zuerst bewältigen.
    • Eine Beschäftigung freiwillig unterbrechen können.

Begründung: Geteilte Aufmerksamkeit ist ein negativer Stressfaktor. Wird eine lästige, aber wichtige Arbeit als Erstes erledigt, ist anschließend der Kopf frei für die angenehmen Arbeiten.

  • Training der Zielsetzung

    • Ziele so konkret wie möglich formulieren.
    • Kontrolltermine setzen.
    • Maßnahmen festlegen.

Begründung: Bei der Unternehmensplanung und auch in Krisensituationen sind eine klare und für alle Beteiligten verständliche Zielsetzung sowie Kontrollzeitpunkte und die eindeutige Formulierung von Maßnahmen extrem wichtig. Krisenpläne müssen konkret, verständlich und umsetzbar sein. Jeder Beteiligte muss seine konkreten Aufgaben und Verantwortlichkeiten kennen.

  • Training der Gelassenheit

    • Impulsives Handeln vermeiden, denn jeder Ärger ist ein tausendstel Herzinfarkt.
    • Zur Erkenntnis kommen, daß nicht diese Person oder dieser Umstand einen aufregen, sondern daß man sich aufregen läßt.
    • Gesundes Fehlermanagement praktizieren - also aus Fehlern lernen und sie möglichst nicht wiederholen.

Begründung: "Gelassenheit" stammt ab vom mittelhochdeutschen Wort für Gottergebenheit. Wenn man gelassen ist, handelt man aus sich selbst heraus. Ärger, Furcht vor Fehlern und Hektik nehmen einem die Gelassenheit. Selbstbewusstsein, wenige aber erstrebenswerte Ziele sowie Ruhe in den Gedanken geben einem die Gelassenheit zurück.

Weitere Informationen zum Thema "Stressbewältigung" finden Sie in der folgenden Publikation vom gleichen Verfasser:

Wolfgang Stehling,
JA zum Stress: Höchstleistungen bringen und im inneren Gleichgewicht bleiben,
Campus Verlag, Frankfurt am Main, New York, 2000,
147 Seiten, ISBN 3-593-36406-9, EUR 15.90

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 Autor

Dr. Wolfgang Stehling
WST-Management
Rohrbergstraße 23 b
D-65343 Eltville
Telefon: +49 (0) 61 23 / 90 09 33
Telefax: +49 (0) 61 23 / 90 09 34

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
3. Jahrgang (2000), Ausgabe 4 (April)


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
© Krisennavigator 1998-2016. Alle Rechte vorbehalten.
Internet:
www.krisennavigator.de | E-Mail: poststelle@ifk-kiel.de

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Auch in Krisenzeiten Höchstleistungen bringen
und im inneren Gleichgewicht bleiben

von Dr. Wolfgang Stehling

Problemstellung

Dass Führungskräfte und deren Mitarbeiter Stress optimal bewältigen, liegt im Interesse eines jeden Unternehmens. Stress setzt Mitarbeiter unter Druck, führt zu Ineffektivität, zum "Krankfeiern" und belastet Unternehmen mit hohen Kosten. Nach Angaben des Institutes für Arbeit und Sozialhygiene (IAS) in Karlsruhe zeigen 85 Prozent der Manager und Führungskräfte bei Gesundheits-Check-ups vegetative Beschwerden - wie Schlafprobleme, Reizmagen, Verdauungsstörungen oder Herzstolpern. Ursache Nummer eins dafür ist Stress. Eine große Zahl von Herzkranzgefäßerkrankungen und damit Herzinfarktrisiken lassen sich nicht allein durch die bekannten organischen Gefährdungen erklären. Hier spielt Stress als psychischer Faktor eine große Rolle. Auch wenn die ererbte körperliche Verfassung ("Konstitution") und die erworbene körperliche Verfassung ("Kondition") stimmen, setzt uns eine falsche innere Einstellung nach wie vor höchster Stressgefährdung aus.

Ergebnisse der modernen Stress-Forschung

Neue Erkenntnisse der modernen Stress-Forschung bringen das alte Modell von Eu-Stress ("gutem Stress") und Dis-Stress ("schlechtem Stress") ins Wanken. Man hat nämlich erkannt, dass unkontrollierter Stress nicht unbedingt schaden muss. Die jüngste Stress-Forschung beschäftigt sich mit den Auswirkungen von Stress auf die neuronalen Verknüpfungssysteme im Gehirn. Dabei wird zunehmend deutlich, dass Stress offensichtlich eine Anpassungsreaktion ist, die den Umgang des Organismus mit alten und neuen Herausforderungen optimiert. Bei kontrolliertem Stress halten wir den körperlichen und psychischen Belastungen stand. Wir entwickeln unser Stressprofil aber nicht weiter. Unkontrollierter Stress hingegen scheint - nach Huether - nicht nur negativ zu sein (Dis-Stress), sondern versetzt unser Gehirn in die Lage, flexibel zu werden und zukünftigen Belastungen gegenüber besser gewappnet zu sein.

Praktische Tipps für Manager

Vielfach sind Manager nicht bereit, an den Kleinigkeiten des beruflichen Alltags - also den kleinen oder den Noch-nicht-Krisen - ihre Fähigkeiten des Umgangs mit Stress zu trainieren. Allerdings werden sie diese Instrumente dann auch nicht parat haben, wenn es gilt, große Krisen auch mental zu meistern. Daher sollten die drei Säulen einer effektiven Stressbewältigung - Konzentration, Ziele setzen und Gelassenheit - in kleinen Trainingseinheiten des Alltags regelmäßig angewandt werden ("Fitness-Parcours").

Begründung: Geteilte Aufmerksamkeit ist ein negativer Stressfaktor. Wird eine lästige, aber wichtige Arbeit als Erstes erledigt, ist anschließend der Kopf frei für die angenehmen Arbeiten.

Begründung: Bei der Unternehmensplanung und auch in Krisensituationen sind eine klare und für alle Beteiligten verständliche Zielsetzung sowie Kontrollzeitpunkte und die eindeutige Formulierung von Maßnahmen extrem wichtig. Krisenpläne müssen konkret, verständlich und umsetzbar sein. Jeder Beteiligte muss seine konkreten Aufgaben und Verantwortlichkeiten kennen.

Begründung: "Gelassenheit" stammt ab vom mittelhochdeutschen Wort für Gottergebenheit. Wenn man gelassen ist, handelt man aus sich selbst heraus. Ärger, Furcht vor Fehlern und Hektik nehmen einem die Gelassenheit. Selbstbewusstsein, wenige aber erstrebenswerte Ziele sowie Ruhe in den Gedanken geben einem die Gelassenheit zurück.

Weitere Informationen zum Thema "Stressbewältigung" finden Sie in der folgenden Publikation vom gleichen Verfasser:

Wolfgang Stehling,
JA zum Stress: Höchstleistungen bringen und im inneren Gleichgewicht bleiben,
Campus Verlag, Frankfurt am Main, New York, 2000,
147 Seiten, ISBN 3-593-36406-9, EUR 15.90

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Telefax: +49 (0) 61 23 / 90 09 34

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
3. Jahrgang (2000), Ausgabe 4 (April)

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Letzte Aktualisierung: Samstag, 1. Oktober 2016

       

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