Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
19. Jahrgang (2016) - Ausgabe 9 (September) - ISSN 1619-2389
 

Naturkatastrophen im zweiten Jahrtausend

von der Forschungsgruppe Geowissenschaften der
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft

Überblick

Rund 100.000 Naturkatastrophen haben im zweiten Jahrtausend mehr als 15 Millionen Todesopfer gefordert. Allein im 20. Jahrhundert sind etwa 3,5 Millionen Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben gekommen. Darin sind die schwer zu erfassenden Dürre- und Hungerkatastrophen noch nicht enthalten. Sie sind vermutlich für weitere Millionen Todesopfer verantwortlich. Während die Zahl der Naturkatastrophen und die davon verursachten Schäden mit zunehmender Bevölkerungszahl und Bevölkerungskonzentration in Ballungsgebieten stark angestiegen sind, scheint die Opferzahl - relativ zur wachsenden Weltbevölkerung - aufgrund verbesserter Warn- und Schutzmethoden allmählich zurückzugehen.

Bildband der Naturkatastrophen

In einem breit angelegten und reich illustrierten Rückblick auf die Naturkatastrophen des letzten Jahrtausends erinnert die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Münchener Rück) an zahlreiche Katastrophen des zweiten Jahrtausends. Hierzu zählen beispielsweise die großen Sturmfluten an der Nordsee im 13. bis 15. Jahrhundert, bei denen Hunderttausende ertranken, wie auch die Überschwemmung im chinesischen Henan im Jahre 1887, die mit rund 900.000 Opfern die "tödlichste Katastrophe" des Jahrtausends war. Erwähnung finden auch das Erdbeben in Lissabon von 1755, das als stärkstes jemals in Europa registriertes Beben mit 30.000 Toten in die Geschichte einging, und die zahlreichen Zyklone, die im 18. und 19. Jahrhundert in Indien und Bangladesch weit mehr als eine Million Opfer forderten.

Schäden in Milliardenhöhe

Besonders ausführlich befaßt sich die Studie mit der Entwicklung in den letzten 50 Jahren. Für diesen Zeitraum werden die erkennbaren Trends und die dafür maßgeblichen Ursachen im Detail untersucht. So ist die Zahl der großen Naturkatastrophen von 20 Fällen in den 50er Jahren auf über 80 Ereignisse in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts angestiegen. Gleichzeitig hat sich die volkswirtschaftliche Schadenbelastung von 38 Milliarden US-Dollar pro Jahrzehnt (in heutigen Werten) auf 535 Milliarden US-Dollar im gleichen Zeitraum vervierzehnfacht. Die versicherten Schäden sind - wegen der weltweit zunehmenden Versicherungsdichte - fast doppelt so schnell wie die volkswirtschaftlichen Schäden gestiegen. Hierbei hat sich insbesondere die Häufigkeit von Milliarden-Dollar-Schäden in den letzten 20 Jahren dramatisch erhöht. Für einzelne "Größtschadenszenarien" nähern sich die Schadenpotentiale der Versicherungswirtschaft inzwischen sogar der 100 Milliarden US-Dollar-Marke.

Dabei haben Stürme rund 70 Prozent der Schadenbelastungen für Versicherer aus Naturkatastrophen verursacht. Demgegenüber trugen Erdbeben mit 18 Prozent sowie Überschwemmungen und sonstige Katastrophen - wie Waldbrände und Vulkanausbrüche - jeweils mit 6 Prozent zur Schadensbilanz bei. Bei den volkswirtschaftlichen Schäden hatten dagegen Erdbeben mit 35 Prozent das Übergewicht - vor Überschwemmungen (30 Prozent), Stürmen (28 Prozent) und sonstigen Katastrophen (7 Prozent). Auch bei der Zahl der getöteten Menschen lagen Erdbeben mit 47 Prozent aller Katastrophen-Todesopfer vor Stürmen (45 Prozent), Überschwemmungen (7 Prozent) und sonstigen Katastrophen (1 Prozent ).

Bevölkerungswachstum und Klimaveränderungen als Hauptursachen

Die Hauptgründe für die alarmierende Zunahme der Katastrophenschäden sehen die Geowissenschaftler der Münchener Rück in den folgenden Faktoren:

  • Bevölkerungsentwicklung und Städtewachstum,
  • Werteentwicklung,
  • Entwicklung katastrophenexponierter Gebiete,
  • Katastrophenanfälligkeit moderner Industriegesellschaften und
  • Klima- und Umweltveränderungen.

Alle diese Aspekte zeigen eine derartige Eigendynamik, daß mit einer Abschwächung der beobachteten Katastrophenentwicklung in absehbarer Zeit nicht gerechnet werden kann.

1999 liegt im "Katastrophentrend"

Auch das Jahr 1999 war von zahlreichen spektakulären Großkatastrophen überschattet - wie beispielsweise:

  • Erdbeben in Kolumbien, der Türkei, in Griechenland und auf Taiwan,
  • Lawinenabgänge in den Alpen,
  • Überschwemmungen in Mitteleuropa und Südostasien,
  • Tornados, tropische Wirbelstürme und Zyklone in den USA, Japan und Indien,
  • Hagelsturm in Sydney.

Die Zahl der registrierten Katastrophenereignisse übertraf 1999 mit deutlich über 700 Fällen erneut den Vorjahresrekord von 702 registrierten Ereignissen. Die volkswirtschaftlichen Schäden lagen 1999 bei rund 80 Milliarden US-Dollar. Dieser Wert wurde bisher nur in den Jahren 1998 (93 Milliarden US-Dollar) und 1995 (180 Milliarden US-Dollar) übertroffen. Auch die versicherten Schäden in Höhe von rund 18 Milliarden US-Dollar stellten die bisher dritthöchste Schadensumme nach 1992 (26 Milliarden US-Dollar) und 1994 (21 Milliarden US-Dollar) dar.

Quelle

Weitere Informationen zum Thema "Naturkatastrophen im zweiten Jahrtausend" sind in der folgenden Publikation enthalten:

Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.),
topics 2000: Naturkatastrophen - Stand der Dinge,
Sonderheft Millennium, München, 1999

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
3. Jahrgang (2000), Ausgabe 4 (April)


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
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Naturkatastrophen im zweiten Jahrtausend

von der Forschungsgruppe Geowissenschaften der
Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft

Überblick

Rund 100.000 Naturkatastrophen haben im zweiten Jahrtausend mehr als 15 Millionen Todesopfer gefordert. Allein im 20. Jahrhundert sind etwa 3,5 Millionen Menschen bei Naturkatastrophen ums Leben gekommen. Darin sind die schwer zu erfassenden Dürre- und Hungerkatastrophen noch nicht enthalten. Sie sind vermutlich für weitere Millionen Todesopfer verantwortlich. Während die Zahl der Naturkatastrophen und die davon verursachten Schäden mit zunehmender Bevölkerungszahl und Bevölkerungskonzentration in Ballungsgebieten stark angestiegen sind, scheint die Opferzahl - relativ zur wachsenden Weltbevölkerung - aufgrund verbesserter Warn- und Schutzmethoden allmählich zurückzugehen.

Bildband der Naturkatastrophen

In einem breit angelegten und reich illustrierten Rückblick auf die Naturkatastrophen des letzten Jahrtausends erinnert die Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Münchener Rück) an zahlreiche Katastrophen des zweiten Jahrtausends. Hierzu zählen beispielsweise die großen Sturmfluten an der Nordsee im 13. bis 15. Jahrhundert, bei denen Hunderttausende ertranken, wie auch die Überschwemmung im chinesischen Henan im Jahre 1887, die mit rund 900.000 Opfern die "tödlichste Katastrophe" des Jahrtausends war. Erwähnung finden auch das Erdbeben in Lissabon von 1755, das als stärkstes jemals in Europa registriertes Beben mit 30.000 Toten in die Geschichte einging, und die zahlreichen Zyklone, die im 18. und 19. Jahrhundert in Indien und Bangladesch weit mehr als eine Million Opfer forderten.

Schäden in Milliardenhöhe

Besonders ausführlich befaßt sich die Studie mit der Entwicklung in den letzten 50 Jahren. Für diesen Zeitraum werden die erkennbaren Trends und die dafür maßgeblichen Ursachen im Detail untersucht. So ist die Zahl der großen Naturkatastrophen von 20 Fällen in den 50er Jahren auf über 80 Ereignisse in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts angestiegen. Gleichzeitig hat sich die volkswirtschaftliche Schadenbelastung von 38 Milliarden US-Dollar pro Jahrzehnt (in heutigen Werten) auf 535 Milliarden US-Dollar im gleichen Zeitraum vervierzehnfacht. Die versicherten Schäden sind - wegen der weltweit zunehmenden Versicherungsdichte - fast doppelt so schnell wie die volkswirtschaftlichen Schäden gestiegen. Hierbei hat sich insbesondere die Häufigkeit von Milliarden-Dollar-Schäden in den letzten 20 Jahren dramatisch erhöht. Für einzelne "Größtschadenszenarien" nähern sich die Schadenpotentiale der Versicherungswirtschaft inzwischen sogar der 100 Milliarden US-Dollar-Marke.

Dabei haben Stürme rund 70 Prozent der Schadenbelastungen für Versicherer aus Naturkatastrophen verursacht. Demgegenüber trugen Erdbeben mit 18 Prozent sowie Überschwemmungen und sonstige Katastrophen - wie Waldbrände und Vulkanausbrüche - jeweils mit 6 Prozent zur Schadensbilanz bei. Bei den volkswirtschaftlichen Schäden hatten dagegen Erdbeben mit 35 Prozent das Übergewicht - vor Überschwemmungen (30 Prozent), Stürmen (28 Prozent) und sonstigen Katastrophen (7 Prozent). Auch bei der Zahl der getöteten Menschen lagen Erdbeben mit 47 Prozent aller Katastrophen-Todesopfer vor Stürmen (45 Prozent), Überschwemmungen (7 Prozent) und sonstigen Katastrophen (1 Prozent ).

Bevölkerungswachstum und Klimaveränderungen als Hauptursachen

Die Hauptgründe für die alarmierende Zunahme der Katastrophenschäden sehen die Geowissenschaftler der Münchener Rück in den folgenden Faktoren:

Alle diese Aspekte zeigen eine derartige Eigendynamik, daß mit einer Abschwächung der beobachteten Katastrophenentwicklung in absehbarer Zeit nicht gerechnet werden kann.

1999 liegt im "Katastrophentrend"

Auch das Jahr 1999 war von zahlreichen spektakulären Großkatastrophen überschattet - wie beispielsweise:

Die Zahl der registrierten Katastrophenereignisse übertraf 1999 mit deutlich über 700 Fällen erneut den Vorjahresrekord von 702 registrierten Ereignissen. Die volkswirtschaftlichen Schäden lagen 1999 bei rund 80 Milliarden US-Dollar. Dieser Wert wurde bisher nur in den Jahren 1998 (93 Milliarden US-Dollar) und 1995 (180 Milliarden US-Dollar) übertroffen. Auch die versicherten Schäden in Höhe von rund 18 Milliarden US-Dollar stellten die bisher dritthöchste Schadensumme nach 1992 (26 Milliarden US-Dollar) und 1994 (21 Milliarden US-Dollar) dar.

Quelle

Weitere Informationen zum Thema "Naturkatastrophen im zweiten Jahrtausend" sind in der folgenden Publikation enthalten:

Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft (Hrsg.),
topics 2000: Naturkatastrophen - Stand der Dinge,
Sonderheft Millennium, München, 1999

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
3. Jahrgang (2000), Ausgabe 4 (April)

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Letzte Aktualisierung: Montag, 26. September 2016

       

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