Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
19. Jahrgang (2016) - Ausgabe 9 (September) - ISSN 1619-2389
 

Risikomanagement im Mittelstand - Berater-Studie macht Defizite deutlich

Frankfurt am Main - Der deutsche Mittelstand hat beim Risikomanagement noch großen Nachholbedarf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der drei Beratungsgesellschaften Funk RMCE, Rödl & Partner und Weissman & Cie., die in Frankfurt am Main vorgestellt wurde. Danach befassen sich nur bei einem Drittel der rund 400 befragten mittelständischen Unternehmen die Geschäftsführung oder der Vorstand direkt mit dem Risikomanagement. Gleichwohl planen 81 Prozent der Mittelständler Investitionen, um Risiken zukünftig professioneller steuern zu können. Treiber dieser Entwicklung sind - neben dem neuen deutschen Bilanzrecht - vor allem die gestiegenen Anforderungen seitens der Kreditgeber, Investoren und Gesellschafter.

Die Herkunft von Risiken sieht die Mehrheit der befragten Unternehmen im direkten Wettbewerbs- und Marktumfeld (90 Prozent), in der Unterbrechung der Wertschöpfungs-, Liefer- und Logistikkette (88 Prozent) sowie in Reputations- und Imageschäden (87 Prozent). Nach Ansicht der Autoren der Studie zeigt sich darin die Bedeutung einer ganzheitlichen Risikobetrachtung. Trotzdem wird das Risikomanagement häufig an operative Bereiche wie beispielsweise Controlling, Rechts- oder Personalabteilung delegiert. "Den Unternehmen gehen so wichtige Steuerungsinformationen verloren. Auch Kostensenkungspotenziale, die sich beispielsweise aus der Verknüpfung von Risikobewertung und Versicherungsprämien ergeben, werden viel zu selten realisiert", sagt Hendrik F. Löffler, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Funk RMCE.

Mit dem neuen Bilanzrecht wurden die Anforderungen an das Risikomanagement und die internen Kontrollsysteme deutlich erhöht. "Viele Mittelständler lassen ihre Risikomanagementsysteme heute freiwillig prüfen. Das stärkt ihre Position am Kapitalmarkt und gegenüber den Anteilseignern", erläutert Dr. Peter Bömelburg, geschäftsführender Partner der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner. Allerdings scheinen die Kreditinstitute diese Bemühungen kaum zu honorieren. Lediglich bei zwölf Prozent der befragten Unternehmen hat die Einführung eines Risikomanagementsystems die Kapitalbeschaffung erleichtert und zur Senkung der Kreditkosten beigetragen. Zwei Drittel der Unternehmen sehen dagegen keine Verbesserung der Konditionen.

Überraschend gering ist die Nutzung von IT-gestützten Risikomanagementsystemen. Während knapp die Hälfte der Unternehmen keine Software für das Risikomanagement verwendet, setzt ein Drittel auf Eigenentwicklungen - meist auf Excel-Basis. Lediglich ein Fünftel der Mittelständler hat spezielle IT-Lösungen für das Risikomanagement eingeführt. Trotzdem waren über zwei Drittel der befragten Unternehmen mit ihrem Risikomanagement während der Finanz- und Wirtschaftskrise zufrieden. "Das Bewusstsein für die Steuerung von Risiken war ein wichtiger Faktor dafür, dass die deutschen Familienunternehmen die Krisenzeit so gut überstanden haben", sagt Tobias Augsten von der auf die strategische Beratung von Familienunternehmen spezialisierten Weissman & Cie. 63 Prozent der befragten Unternehmen wiesen einen Umsatz über 50 Millionen Euro aus und 51 Prozent waren Familienunternehmen.

© 2011 Krisennavigator. Alle Rechte vorbehalten.
Stand der Informationen: 05. April 2011.


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Frankfurt am Main - Der deutsche Mittelstand hat beim Risikomanagement noch großen Nachholbedarf. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der drei Beratungsgesellschaften Funk RMCE, Rödl & Partner und Weissman & Cie., die in Frankfurt am Main vorgestellt wurde. Danach befassen sich nur bei einem Drittel der rund 400 befragten mittelständischen Unternehmen die Geschäftsführung oder der Vorstand direkt mit dem Risikomanagement. Gleichwohl planen 81 Prozent der Mittelständler Investitionen, um Risiken zukünftig professioneller steuern zu können. Treiber dieser Entwicklung sind - neben dem neuen deutschen Bilanzrecht - vor allem die gestiegenen Anforderungen seitens der Kreditgeber, Investoren und Gesellschafter.

Die Herkunft von Risiken sieht die Mehrheit der befragten Unternehmen im direkten Wettbewerbs- und Marktumfeld (90 Prozent), in der Unterbrechung der Wertschöpfungs-, Liefer- und Logistikkette (88 Prozent) sowie in Reputations- und Imageschäden (87 Prozent). Nach Ansicht der Autoren der Studie zeigt sich darin die Bedeutung einer ganzheitlichen Risikobetrachtung. Trotzdem wird das Risikomanagement häufig an operative Bereiche wie beispielsweise Controlling, Rechts- oder Personalabteilung delegiert. "Den Unternehmen gehen so wichtige Steuerungsinformationen verloren. Auch Kostensenkungspotenziale, die sich beispielsweise aus der Verknüpfung von Risikobewertung und Versicherungsprämien ergeben, werden viel zu selten realisiert", sagt Hendrik F. Löffler, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Funk RMCE.

Mit dem neuen Bilanzrecht wurden die Anforderungen an das Risikomanagement und die internen Kontrollsysteme deutlich erhöht. "Viele Mittelständler lassen ihre Risikomanagementsysteme heute freiwillig prüfen. Das stärkt ihre Position am Kapitalmarkt und gegenüber den Anteilseignern", erläutert Dr. Peter Bömelburg, geschäftsführender Partner der Beratungs- und Prüfungsgesellschaft Rödl & Partner. Allerdings scheinen die Kreditinstitute diese Bemühungen kaum zu honorieren. Lediglich bei zwölf Prozent der befragten Unternehmen hat die Einführung eines Risikomanagementsystems die Kapitalbeschaffung erleichtert und zur Senkung der Kreditkosten beigetragen. Zwei Drittel der Unternehmen sehen dagegen keine Verbesserung der Konditionen.

Überraschend gering ist die Nutzung von IT-gestützten Risikomanagementsystemen. Während knapp die Hälfte der Unternehmen keine Software für das Risikomanagement verwendet, setzt ein Drittel auf Eigenentwicklungen - meist auf Excel-Basis. Lediglich ein Fünftel der Mittelständler hat spezielle IT-Lösungen für das Risikomanagement eingeführt. Trotzdem waren über zwei Drittel der befragten Unternehmen mit ihrem Risikomanagement während der Finanz- und Wirtschaftskrise zufrieden. "Das Bewusstsein für die Steuerung von Risiken war ein wichtiger Faktor dafür, dass die deutschen Familienunternehmen die Krisenzeit so gut überstanden haben", sagt Tobias Augsten von der auf die strategische Beratung von Familienunternehmen spezialisierten Weissman & Cie. 63 Prozent der befragten Unternehmen wiesen einen Umsatz über 50 Millionen Euro aus und 51 Prozent waren Familienunternehmen.

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