Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
19. Jahrgang (2016) - Ausgabe 5 (Mai) - ISSN 1619-2389
 

Gastkommentar: Krise der Krisenmanager
Sind sie erfolgreich, fliegen sie raus

von Frank Roselieb

Nicht endenwollende Insolvenzmeldungen in der Wirtschaftspresse und Berichte über massiven Stellenabbau in den Lokalmedien haben so manchen Pressesprecher über Nacht zum Experten für Krisen-PR werden lassen. Lehrbuchgerechte Krisenkommunikation - getreu den drei "Goldenen Regeln" Echtzeit, Wahrheit und Offenheit - läßt sich in der Unternehmenspraxis kaum durchsetzen.

Einerseits leiden viele Geschäftsführer und Vorstände unter einer gefährlichen Betriebsblindheit und ignorieren - zuweilen recht gekonnt - selbst offenkundige Signale einer drohenden Pleite. Dank des "Groupthink"-Phänomens werden sie in diesem Glauben an die eigene Unfehlbarkeit meistens noch durch die Führungskräfte und Mitarbeiter des Unternehmens bestärkt.

Andererseits scheuen Insolvenzverwalter und Interimsmanager häufig das Licht der Öffentlichkeit. Zu groß ist die Angst vor der sogenannten "self-fullfilling-prophecy", nach der Krisen auch herbeigeredet werden können. Getreu dem Motto "Reden ist silber, Schweigen ist Gold" wird in Krisenzeiten lieber gar nicht kommuniziert. Ein falsches Wort könnte womöglich den letzten Investor abspringen lassen.

Selbst offene und wahrheitsgemäße Echtzeitkommunikation hat in Krisenzeiten ihre Tücken. Ob Jahr-2000-Fehler oder EURO-Umstellung, stets haben Experten frühzeitig vor dem drohenden GAU gewarnt. Von den Unternehmen wurden daraufhin regelmäßig Millionen-Beträge in die Umstellung ihrer Systeme investiert sowie Kunden und Marktpartner in großangelegten Aufklärungskampagnen gewarnt.

Doch mit der gleichen Regelmäßigkeit blieb der angekündigte GAU stets aus. Alles nur ein PR-Gag? Wohl kaum. Vielmehr eine Folge der sogenannten "self-destroying prophecy". Danach haben gerade diese eingeleiteten Krisenvermeidungsaktivitäten die eigentliche Krise verhindert.

Den Krisenmanagern dankt dieses kaum jemand. Sie gelten vielmehr als Panikmacher, Budgetmaximierer und Verschwender oder werden kurzerhand wegrationalisiert - schließlich gibt es ja keine Krisen mehr. Na dann, bis zur nächsten Krise.

Quelle

Dieser Beitrag wurde - mit freundlicher Genehmigung der Redaktion - der folgenden Veröffentlichung entnommen:

PRReport

Frank Roselieb, Gastkommentar: Krise der Krisenmanager: Sind sie erfolgreich, fliegen sie raus, in: PRREPORT, Ausgabe Nr. 1834 vom 5. Juli 2002, Seite 5

Autor

Frank Roselieb
Krisennavigator - Institut für Krisenforschung
Ein Spin-Off der Universität Kiel
Schauenburgerstraße 116
D-24118 Kiel
Telefon: +49 (0)431 907 - 26 10
Telefax: +49 (0)431 907 - 26 11
Internet: www.krisennavigator.de
E-Mail: roselieb@krisennavigator.de

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
5. Jahrgang (2002), Ausgabe 7 (Juli)


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
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Gastkommentar: Krise der Krisenmanager
Sind sie erfolgreich, fliegen sie raus

von Frank Roselieb

Nicht endenwollende Insolvenzmeldungen in der Wirtschaftspresse und Berichte über massiven Stellenabbau in den Lokalmedien haben so manchen Pressesprecher über Nacht zum Experten für Krisen-PR werden lassen. Lehrbuchgerechte Krisenkommunikation - getreu den drei "Goldenen Regeln" Echtzeit, Wahrheit und Offenheit - läßt sich in der Unternehmenspraxis kaum durchsetzen.

Einerseits leiden viele Geschäftsführer und Vorstände unter einer gefährlichen Betriebsblindheit und ignorieren - zuweilen recht gekonnt - selbst offenkundige Signale einer drohenden Pleite. Dank des "Groupthink"-Phänomens werden sie in diesem Glauben an die eigene Unfehlbarkeit meistens noch durch die Führungskräfte und Mitarbeiter des Unternehmens bestärkt.

Andererseits scheuen Insolvenzverwalter und Interimsmanager häufig das Licht der Öffentlichkeit. Zu groß ist die Angst vor der sogenannten "self-fullfilling-prophecy", nach der Krisen auch herbeigeredet werden können. Getreu dem Motto "Reden ist silber, Schweigen ist Gold" wird in Krisenzeiten lieber gar nicht kommuniziert. Ein falsches Wort könnte womöglich den letzten Investor abspringen lassen.

Selbst offene und wahrheitsgemäße Echtzeitkommunikation hat in Krisenzeiten ihre Tücken. Ob Jahr-2000-Fehler oder EURO-Umstellung, stets haben Experten frühzeitig vor dem drohenden GAU gewarnt. Von den Unternehmen wurden daraufhin regelmäßig Millionen-Beträge in die Umstellung ihrer Systeme investiert sowie Kunden und Marktpartner in großangelegten Aufklärungskampagnen gewarnt.

Doch mit der gleichen Regelmäßigkeit blieb der angekündigte GAU stets aus. Alles nur ein PR-Gag? Wohl kaum. Vielmehr eine Folge der sogenannten "self-destroying prophecy". Danach haben gerade diese eingeleiteten Krisenvermeidungsaktivitäten die eigentliche Krise verhindert.

Den Krisenmanagern dankt dieses kaum jemand. Sie gelten vielmehr als Panikmacher, Budgetmaximierer und Verschwender oder werden kurzerhand wegrationalisiert - schließlich gibt es ja keine Krisen mehr. Na dann, bis zur nächsten Krise.

Quelle

Dieser Beitrag wurde - mit freundlicher Genehmigung der Redaktion - der folgenden Veröffentlichung entnommen:

PRReport

Frank Roselieb, Gastkommentar: Krise der Krisenmanager: Sind sie erfolgreich, fliegen sie raus, in: PRREPORT, Ausgabe Nr. 1834 vom 5. Juli 2002, Seite 5

Autor

Frank Roselieb
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Schauenburgerstraße 116
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5. Jahrgang (2002), Ausgabe 7 (Juli)

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Letzte Aktualisierung: Dienstag, 31. Mai 2016

       

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