Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
19. Jahrgang (2016) - Ausgabe 9 (September) - ISSN 1619-2389
 

"Dem Wetter eine Nase drehen":
Grundlagen des Wetterrisikomanagements

von Hans Esser

Überblick

Mit der Liberalisierung des Strommarktes und bald auch des Gasmarktes gewinnt das Beschaffungsportfolio für Energie eine erhebliche Bedeutung. Bei der Absicherung von Risiken, die mit der Energiebereitstellung verbunden sind, können sich Energieversorgungsunternehmen (EVU) künftig u.a. sogenannter Wetterderivate bedienen. Es dürfte für sie auch interessant sein, selbst als Anbieter solcher Finanzprodukte aufzutreten - etwa gegenüber Großverbrauchern, die ihren Energieeinkauf optimieren möchten. Wie mit Wetterderivaten gehandelt wird, wird im folgenden dargestellt.

Wetterderivate

Ein Wetterderivat ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien, der eine Verrechnung darstellt. Diese bezieht sich auf ein Basisobjekt an einem festgelegten Standort, beispielsweise auf einen Tag im Winter mit einer bestimmten erwartbaren Durchschnittstemperatur. Bei diesem Basisobjekt handelt es sich selbstverständlich um objektiv meß- und überprüfbare meteorologische Daten.

  • Der Käufer des Derivats, also das EVU oder der Stromgroßverbraucher, ist normalerweise die Partei, die sich gegen die nachteiligen Finanzfolgen ungewöhnlicher Wetterbedingungen absichern möchte.
  • Der Verkäufer des Derivats kann ein Vorlieferant, ein Finanzinstitut oder ein Rückversicherer sein. Es ist auf alle Fälle ein Unternehmen mit gegensätzlichem "Risk/Reward-Profil" bzw. gegensätzlicher Markterwartung.

Als Gegenpole vorstellbar sind zum Beispiel eine Firma aus der Bauindustrie und ein EVU. Ein sehr kalter Winter behindert die Arbeit des Bauunternehmens, bedeutet also negative Einflüsse auf dessen Ergebnisse. Für ein EVU dagegen bedeutet schlechtes Wetter hohen Absatz zum Beispiel im Gasbereich und damit eher ungewöhnlich positive Auswirkungen auf die Geschäftsergebnisse. Hier bietet sich ein Ausgleich der Risiken auf einem für beide Seiten erträglichen Niveau an. Er führt sozusagen zu einer Normalisierung der Ergebnisse, weil zwar das EVU die Aussicht auf eine vielleicht eintretende, ungewöhnlich gute Ertragsphase fahren läßt, dafür aber ein Absicherungsgeschäft mit der Baufirma realisieren kann. Bei den bisher getätigten Geschäften mit Wetterderivaten gehört die Energiebranche zu den Hauptmarktteilnehmern - bis jetzt.

Absicherung gegen Wetterlaunen

Erste Wetterkontrakte wurden im Herbst 1997 in den USA gehandelt, ehe ein Jahr später die ersten Geschäfte in Europa durchgeführt wurden. Obwohl dieser sehr junge Markt noch in den Kinderschuhen steckt, wurden schon mehrere Milliarden US-Dollar mit Wetterderivaten umgesetzt - bis jetzt ca. 3 bis 5 Milliarden US-Dollar. Nach anfänglich einer Handvoll "Deals" im Jahr wird derzeit schon fast täglich eine Absicherung gegen die Launen des Wetters abgeschlossen, denn nichts anderes ist ein Wetterderivat.

Derzeit werden Verträge hauptsächlich abgeschlossen, um den Kunden gegen negative klimatische Auswirkung abzusichern, die auf Temperaturen oder Niederschlag an einem spezifizierten Standort basieren. Weiterhin sind auch zahlreiche andere Wetterabsicherungen denkbar wie Windstärken oder Schneefall. Diese müssen sich nur durch unabhängige Dritte - wie den Deutschen Wetterdienst in Offenbach - zuverlässig messen lassen.

Heiß oder kalt - die Börse reagiert

Der US-Markt hat darüber hinaus eine Anzahl maßgeschneiderter Produkte entwickelt - wie die sehr aktiv gehandelten "heating degree days" (HDD). Ein HDD ist die Differenz zwischen der durchschnittlichen Temperatur eines Tages und dem Benchmarkwert, der gewöhnlich 65 Grad Fahrenheit in den USA und 18,3 Grad Celsius in Europa entspricht. Hierbei wären 18,3 Grad Celsius die Obergrenze, das heißt bei Überschreitung dieser Marke würde für diesen Tag ein HDD von Null verzeichnet, denn es würde nicht übermäßig geheizt werden. Wäre jedoch an einem Tag eine durchschnittliche Tagestemperatur von 10 Grad Celsius zu beobachten, so ergäbe sich ein HDD-Wert von 8,3 Grad Celsius. Daraus folgt, daß für Zeitabschnitte mit starken Abweichungen nach unten - etwa einem kalten Winter - ein hoher HDD-Wert charakteristisch ist. In Verträgen werden die HDDs einzelner Tage zu Monatsperioden oder sogar längeren Zeiträumen summiert, um einzelne Tagesausschläge zu eliminieren. Das komplementäre Finanzinstrument zu den HDDs stellen die CDDs dar, die "cooling degree days". Hohe Werte von CDD sind somit in sehr warmen Perioden zu beobachten. Wetterderivate oder andere Finanzinstrumente, die auf CDD basieren, haben jedoch nur im US-Markt größere Bedeutung. Sie bieten eine Absicherung von übermäßigem Energieverbrauch durch Klimaanlagen bei sehr hohen Außentemperaturen, die in unseren Breitengraden nicht oder nur zu selten vorkommen.

Wie auch bei anderen Produkten an den Terminbörsen gibt es hier bereits verschiedene abgeleitete Finanzinstrumente - Derivate. Eines der am häufigsten gehandelten Produkte ist die "Option", bei der der Optionskäufer für die Zahlung einer Prämie an den Verkäufer eine Ausgleichszahlung erhält, wenn die tatsächlichen Wetterbedingungen eine vereinbarte Begrenzung überschreiten. Der Auszahlungsbetrag hängt ab von dem Unterschied zwischen der vereinbarten Grenze ("Strike") und der tatsächlichen, unabhängig gemessenen Statistik.

Von Swaps zu Anleihen

Weiterhin werden "Swaps" aktiv gehandelt, bei denen vereinfacht ausgedrückt Zahlungsströme ausgetauscht werden - je nachdem, ob eine vereinbarte Begrenzung über- oder unterschritten wird. Als weitere Ableitungen aus bzw. Strategien mit den vorgenannten Produkten sind "Spreads", "Collars", "Straddles" und "Strangles" möglich. Die Marktentwicklung wird weitere Produkte bringen.

Instrumente zur Absicherung wetterbedingter Risiken haben ein massives Potential, da sie nicht nur auf die oben genannten Gebiete und Produkte beschränkt sind. Denkbar sind andere Koppelungen an das Wetter und an deren Einflüsse auf das Ergebnis eines Unternehmens. So könnte ein EVU eine festverzinsliche Anleihe zur Kapitalaufnahme emittieren, deren Nominalzins unter dem Marktniveau vergleichbarer Industrieanleihen läge.

Interessant für einen Kapitalanleger wird eine solche Anleihe durch einen gestaffelten Bonuszins, der bei Nicht- oder nur Teileintritt eines Wetterereignisses gezahlt wird. Diesen Bonuszins zahlt das EVU gern, da es ein verbessertes Betriebsergebnis hat. Im für das EVU negativen Fall braucht es den Bonuszins nicht zu zahlen und profitiert dennoch von einer günstigen Kapitalaufnahme. Vorstellbar wäre auch der komplette Kauf einer solchen Anleihe durch ein Unternehmen mit gegenläufigem "Risk/Reward-Profil" - wie EVU und Baufirma - als eine Art von Absicherungsmöglichkeit ("Quasi-Hedge").

Wegen der notwendigen individuellen Anpassung dieser Geschäfte an die speziellen Risiken der Beteiligten werden bis heute die meisten Geschäfte noch bilateral im sogenannten OTC-Markt gehandelt. Das Interesse der Finanzmärkte steigt jedoch stark: Die Chicago Mercantile Exchange (CME) hat bereits im Herbst 1999 die ersten börsengehandelten Wetter-Terminkontrakte (Futures auf HDD und CDD) in zehn amerikanischen Städten eingeführt. Auch Europa schläft nicht. Die weltweit umsatzstärkste Terminbörse, die Frankfurter EUREX, plant die Einführung von Wetterindizes, die zu einem späteren Zeitpunkt als "Underlying" für Wetterderivate dienen können.

Online-Handel kommt

Einen anderen Weg gehen internetbasierte Plattformen - wie der Marktführer TradeWeather.com. Hier treten institutionelle Marktteilnehmer anonym auf, um die Absicherung ihrer Wetterrisiken online auszuhandeln. Bei TradeWeather.com haben sich bereits die größten Unternehmen registriert. Seit Jahresbeginn wurden mehrere hundert Wetterrisiken gelistet und bereits viele abgesichert.

Nach einer Schätzung der Futures Industry Association (FIA) besitzt das Management von Wetterrisiken ein Marktpotential, das das sämtlicher weltweit gehandelter Futures und Optionen übersteigt.

Quelle

Dieser Beitrag wurde - mit freundlicher Genehmigung der Redaktion - der folgenden Publikation entnommen:

Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK),
46. Jahrgang (2000), Heft 6 (Juni), Seite 19

Autor

Hans Esser
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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
4. Jahrgang (2001), Ausgabe 2 (Februar)


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"Dem Wetter eine Nase drehen":
Grundlagen des Wetterrisikomanagements

von Hans Esser

Überblick

Mit der Liberalisierung des Strommarktes und bald auch des Gasmarktes gewinnt das Beschaffungsportfolio für Energie eine erhebliche Bedeutung. Bei der Absicherung von Risiken, die mit der Energiebereitstellung verbunden sind, können sich Energieversorgungsunternehmen (EVU) künftig u.a. sogenannter Wetterderivate bedienen. Es dürfte für sie auch interessant sein, selbst als Anbieter solcher Finanzprodukte aufzutreten - etwa gegenüber Großverbrauchern, die ihren Energieeinkauf optimieren möchten. Wie mit Wetterderivaten gehandelt wird, wird im folgenden dargestellt.

Wetterderivate

Ein Wetterderivat ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien, der eine Verrechnung darstellt. Diese bezieht sich auf ein Basisobjekt an einem festgelegten Standort, beispielsweise auf einen Tag im Winter mit einer bestimmten erwartbaren Durchschnittstemperatur. Bei diesem Basisobjekt handelt es sich selbstverständlich um objektiv meß- und überprüfbare meteorologische Daten.

Als Gegenpole vorstellbar sind zum Beispiel eine Firma aus der Bauindustrie und ein EVU. Ein sehr kalter Winter behindert die Arbeit des Bauunternehmens, bedeutet also negative Einflüsse auf dessen Ergebnisse. Für ein EVU dagegen bedeutet schlechtes Wetter hohen Absatz zum Beispiel im Gasbereich und damit eher ungewöhnlich positive Auswirkungen auf die Geschäftsergebnisse. Hier bietet sich ein Ausgleich der Risiken auf einem für beide Seiten erträglichen Niveau an. Er führt sozusagen zu einer Normalisierung der Ergebnisse, weil zwar das EVU die Aussicht auf eine vielleicht eintretende, ungewöhnlich gute Ertragsphase fahren läßt, dafür aber ein Absicherungsgeschäft mit der Baufirma realisieren kann. Bei den bisher getätigten Geschäften mit Wetterderivaten gehört die Energiebranche zu den Hauptmarktteilnehmern - bis jetzt.

Absicherung gegen Wetterlaunen

Erste Wetterkontrakte wurden im Herbst 1997 in den USA gehandelt, ehe ein Jahr später die ersten Geschäfte in Europa durchgeführt wurden. Obwohl dieser sehr junge Markt noch in den Kinderschuhen steckt, wurden schon mehrere Milliarden US-Dollar mit Wetterderivaten umgesetzt - bis jetzt ca. 3 bis 5 Milliarden US-Dollar. Nach anfänglich einer Handvoll "Deals" im Jahr wird derzeit schon fast täglich eine Absicherung gegen die Launen des Wetters abgeschlossen, denn nichts anderes ist ein Wetterderivat.

Derzeit werden Verträge hauptsächlich abgeschlossen, um den Kunden gegen negative klimatische Auswirkung abzusichern, die auf Temperaturen oder Niederschlag an einem spezifizierten Standort basieren. Weiterhin sind auch zahlreiche andere Wetterabsicherungen denkbar wie Windstärken oder Schneefall. Diese müssen sich nur durch unabhängige Dritte - wie den Deutschen Wetterdienst in Offenbach - zuverlässig messen lassen.

Heiß oder kalt - die Börse reagiert

Der US-Markt hat darüber hinaus eine Anzahl maßgeschneiderter Produkte entwickelt - wie die sehr aktiv gehandelten "heating degree days" (HDD). Ein HDD ist die Differenz zwischen der durchschnittlichen Temperatur eines Tages und dem Benchmarkwert, der gewöhnlich 65 Grad Fahrenheit in den USA und 18,3 Grad Celsius in Europa entspricht. Hierbei wären 18,3 Grad Celsius die Obergrenze, das heißt bei Überschreitung dieser Marke würde für diesen Tag ein HDD von Null verzeichnet, denn es würde nicht übermäßig geheizt werden. Wäre jedoch an einem Tag eine durchschnittliche Tagestemperatur von 10 Grad Celsius zu beobachten, so ergäbe sich ein HDD-Wert von 8,3 Grad Celsius. Daraus folgt, daß für Zeitabschnitte mit starken Abweichungen nach unten - etwa einem kalten Winter - ein hoher HDD-Wert charakteristisch ist. In Verträgen werden die HDDs einzelner Tage zu Monatsperioden oder sogar längeren Zeiträumen summiert, um einzelne Tagesausschläge zu eliminieren. Das komplementäre Finanzinstrument zu den HDDs stellen die CDDs dar, die "cooling degree days". Hohe Werte von CDD sind somit in sehr warmen Perioden zu beobachten. Wetterderivate oder andere Finanzinstrumente, die auf CDD basieren, haben jedoch nur im US-Markt größere Bedeutung. Sie bieten eine Absicherung von übermäßigem Energieverbrauch durch Klimaanlagen bei sehr hohen Außentemperaturen, die in unseren Breitengraden nicht oder nur zu selten vorkommen.

Wie auch bei anderen Produkten an den Terminbörsen gibt es hier bereits verschiedene abgeleitete Finanzinstrumente - Derivate. Eines der am häufigsten gehandelten Produkte ist die "Option", bei der der Optionskäufer für die Zahlung einer Prämie an den Verkäufer eine Ausgleichszahlung erhält, wenn die tatsächlichen Wetterbedingungen eine vereinbarte Begrenzung überschreiten. Der Auszahlungsbetrag hängt ab von dem Unterschied zwischen der vereinbarten Grenze ("Strike") und der tatsächlichen, unabhängig gemessenen Statistik.

Von Swaps zu Anleihen

Weiterhin werden "Swaps" aktiv gehandelt, bei denen vereinfacht ausgedrückt Zahlungsströme ausgetauscht werden - je nachdem, ob eine vereinbarte Begrenzung über- oder unterschritten wird. Als weitere Ableitungen aus bzw. Strategien mit den vorgenannten Produkten sind "Spreads", "Collars", "Straddles" und "Strangles" möglich. Die Marktentwicklung wird weitere Produkte bringen.

Instrumente zur Absicherung wetterbedingter Risiken haben ein massives Potential, da sie nicht nur auf die oben genannten Gebiete und Produkte beschränkt sind. Denkbar sind andere Koppelungen an das Wetter und an deren Einflüsse auf das Ergebnis eines Unternehmens. So könnte ein EVU eine festverzinsliche Anleihe zur Kapitalaufnahme emittieren, deren Nominalzins unter dem Marktniveau vergleichbarer Industrieanleihen läge.

Interessant für einen Kapitalanleger wird eine solche Anleihe durch einen gestaffelten Bonuszins, der bei Nicht- oder nur Teileintritt eines Wetterereignisses gezahlt wird. Diesen Bonuszins zahlt das EVU gern, da es ein verbessertes Betriebsergebnis hat. Im für das EVU negativen Fall braucht es den Bonuszins nicht zu zahlen und profitiert dennoch von einer günstigen Kapitalaufnahme. Vorstellbar wäre auch der komplette Kauf einer solchen Anleihe durch ein Unternehmen mit gegenläufigem "Risk/Reward-Profil" - wie EVU und Baufirma - als eine Art von Absicherungsmöglichkeit ("Quasi-Hedge").

Wegen der notwendigen individuellen Anpassung dieser Geschäfte an die speziellen Risiken der Beteiligten werden bis heute die meisten Geschäfte noch bilateral im sogenannten OTC-Markt gehandelt. Das Interesse der Finanzmärkte steigt jedoch stark: Die Chicago Mercantile Exchange (CME) hat bereits im Herbst 1999 die ersten börsengehandelten Wetter-Terminkontrakte (Futures auf HDD und CDD) in zehn amerikanischen Städten eingeführt. Auch Europa schläft nicht. Die weltweit umsatzstärkste Terminbörse, die Frankfurter EUREX, plant die Einführung von Wetterindizes, die zu einem späteren Zeitpunkt als "Underlying" für Wetterderivate dienen können.

Online-Handel kommt

Einen anderen Weg gehen internetbasierte Plattformen - wie der Marktführer TradeWeather.com. Hier treten institutionelle Marktteilnehmer anonym auf, um die Absicherung ihrer Wetterrisiken online auszuhandeln. Bei TradeWeather.com haben sich bereits die größten Unternehmen registriert. Seit Jahresbeginn wurden mehrere hundert Wetterrisiken gelistet und bereits viele abgesichert.

Nach einer Schätzung der Futures Industry Association (FIA) besitzt das Management von Wetterrisiken ein Marktpotential, das das sämtlicher weltweit gehandelter Futures und Optionen übersteigt.

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Dieser Beitrag wurde - mit freundlicher Genehmigung der Redaktion - der folgenden Publikation entnommen:

Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK),
46. Jahrgang (2000), Heft 6 (Juni), Seite 19

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Hans Esser
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4. Jahrgang (2001), Ausgabe 2 (Februar)

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Letzte Aktualisierung: Sonntag, 25. September 2016

       

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