Ein "Spin-Off" der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
19. Jahrgang (2016) - Ausgabe 9 (September) - ISSN 1619-2389
 

Checklisten zum betrieblichen Krisenmanagement

von Prof. em. Dr. Dr. h.c. Jürgen Hauschildt †

(1) Liquiditätspolitik im Krisenfall

Konzept

  • Prämisse: Die normalen Finanzierungsmöglichkeiten sind erschöpft 
  • Priorität der Liquiditätserhaltung
  • Bedeutungswandel herkömmlicher Ziele (Rentabilität, Marktposition, Produktprofil etc.)
  • Prinzipielle Zukunftsperspektive

    • Bei der Abschätzung von Aktionen
    • Bei der Ermittlung der kalkulatorischen Wirkungen
  • Ansatzpunkte der Liquiditätspolitik

    • Ausgaben
    • Einnahmen
    • Reserven
    • Besondere Formen von Kredit

Verschieben oder Senken von Ausgaben

  • Maßnahmen des Unterlassens

    • Verzicht auf Investitionen
    • Senkung der Materialbestände, Änderung der Beschaffungspolitik
  • Maßnahmen des Tuns

    • Einführung von Kurzarbeit
    • Entlassungen
    • "Sparaktionen"
    • Ausschüttungsstop

Vorziehen oder Bewirken von Einnahmen

  • Aktive Inkassopolitik, Skontopolitik, Factoring
  • Ausverkäufe, Lagerabbau
  • Forcierter Verkauf von "Liquiditätsbringern"
  • Desinvestition des Anlagevermögens

Reserveauflösung

  • Zweckänderung bei angesparten Mitteln
  • Tatsächliche Mobilisierung von freien, nicht zweckgebundenen Reserven
  • Reserven als Mittel des Bluffs
  • Zeitdruck bei der Reservenauflösung

Kreditaufnahme

  • Geeignete und ungeeignete Kreditgeber - die Auslotung der Interessen

    • Banken
    • Lieferanten
    • Staat
  • "Kritische Zahl" der Kreditgeber - "zu" viele oder "zu" wenige?
  • Änderung der Zahlungsweise ("Postlaufkredite")
  • Kreditaufnahme durch Verschlechterung der Zahlungsmoral?

Zusätzliche Überlegungen zur liquiditätspolitischen Anpassungsentscheidung

  • Sicherheit der Wirkung
  • Geschwindigkeit der Wirkung
  • Nachwirkungen
  • Preis der Sicherheit

(2) Bilanzpolitik im Krisenfall

(Vermeintliche) Erwartungen der Bilanzleser

  • Zum Erfolg

    • Stetigkeit - Die hohe Bedeutung des Zeitvergleichs
    • Akzeptanz bestimmter Aufwandssteigerungen
  • Zur Bilanz im engeren Sinne

    • Ausweis von Liquidität
    • Ausweis von struktureller Deckung - "goldene Bilanzregel",
      "goldene Finanzierungsregel"
    • "Normale" Verschuldung
  • Zum Zeitpunkt der Bilanzvorlage

Maßnahmen der Bilanzpolitik

  • Vor-Stichtag-Dispositionen

    • Vorziehen von Umsätzen
    • Verschieben von Ausgaben/Aufwendungen
    • "Window-Dressing" des Liquiditätsausweises
  • Bilanzgliederungsentscheidungen

    • Umgliederungen vom Umlauf- in das Anlagevermögen
    • Verkäufe an Tochtergesellschaften
    • Sale-and-lease-back
  • Bewertungsentscheidungen

    • Neu zu definierender Aktivierungswille
    • Verzicht auf zulässig höhere Abschreibungen
    • Verzicht auf Rückstellungsbildung
    • Ansatz möglichst hoher Herstellungskosten
    • Ausnutzung von Spielräumen des Niederstwertprinzips
    • Zuschreibungen (Rückgängigmachen von Abschreibungen) 

Fragwürdigkeit der Bilanzpolitik

  • Neuere Methoden der Bilanzanalyse
  • Kurzfristige Wirkung der Bilanzpolitik
  • Überreaktion der enttäuschten Bilanzleser

Sinnhaftigkeit der Bilanzpolitik

  • Abwendung einer voreiligen Überschuldungsfeststellung
  • Überbrückungsfunktion

(3) Aktive Informationspolitik im Krisenfall

Adressaten des Krisenmanagements

  • Selbstinformation, insbesondere der ungläubigen Top-Manager
  • Kreditgeber, namentlich die Bank(en)
  • Eigenkapitalgeber
  • Belegschaft
  • Marktpartner

Grundtendenz der Informationspolitik ("message")

  • Bewußt optimistische Aussage
  • Bewußt pessimistische Aussage
  • Realistische Aussage
  • Hervorhebung der Stärken
  • Darlegung der Schwächen
  • Prinzipielle Verbindung von Lageinformation mit einem Aktionsvorschlag

Instrumente der Informationspolitik

(4) Besondere (passive) Informationsnotwendigkeiten im Krisenfall

Grundsätze

  • Informationen über die Zukunft rangieren vor Informationen über die Vergangenheit
  • Informationen über Zahlungsströme rangieren vor Informationen über Erfolgspositionen
  • Tendenziell pessimistische Erwartungen rangieren vor tendenziell optimistischen
  • Tendenziell einfache, ungenaue, aber schnelle Informationen rangieren vor komplizierten, langsamen, aber genauen

Gegenstände der Information

  • Rollende Finanzplanung zur laufenden Betriebstätigkeit
    (Feststellung von Volumen, frühestem Zeitpunkt und Dauer des Liquiditätsengpasses)
  • Liquiditätsträgerrechnung
    (Welche Produkte verursachen wenig Ausgaben und bringen schnell viele Zahlungseingänge?)
  • Analytische Erfassung von Risiken und Reserven
    (RR-Bilanz - Welche Risiken sollen durch welche Reserven aufgefangen werden?)
  • Gestaffelte Liquidationslisten
    (Wert der Vermögensgegenstände unter unterschiedlichen Verkaufsannahmen)
  • Alternativ- oder Schubladenplanung
    (Planung mehrerer, gleich wahrscheinlicher Zukünfte)

(5) Organisation des Krisenmanagements

Bewußtes Bekenntnis zum Krisenmanagement

Position des Krisenmanagers

  • Zwang zur Zentralisierung
  • Zwang der Zentralisierung an der Unternehmensspitze

Sondervollmachten des Krisenmanagers

  • Vetorechte
  • Initiativrechte
  • Informationsrechte

Krisenmanagement-Team

Verstärkter Informationsaustausch im Top-Management

Bewußte Beendigung des Krisenmanagements

Autor

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Jürgen Hauschildt †
Institut für Betriebswirtschaftslehre
Christian-Albrechts-Universität
Westring 425
D-24098 Kiel
Internet: www.bwl.uni-kiel.de

Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
1. Jahrgang (1998), Ausgabe 1 (November)


Vervielfältigung und Verbreitung - auch auszugsweise - nur mit ausdrücklicher
schriftlicher Genehmigung des Krisennavigator - Institut für Krisenforschung, Kiel.
© Krisennavigator 1998-2016. Alle Rechte vorbehalten.
Internet:
www.krisennavigator.de | E-Mail: poststelle@ifk-kiel.de

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Deutsch   /  English  Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 31. August 2016
        Krisenkompetenz als langfristiger Erfolgsfaktor.

Krisennavigator

 

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(1) Liquiditätspolitik im Krisenfall

Konzept

Verschieben oder Senken von Ausgaben

Vorziehen oder Bewirken von Einnahmen

Reserveauflösung

Kreditaufnahme

Zusätzliche Überlegungen zur liquiditätspolitischen Anpassungsentscheidung

(2) Bilanzpolitik im Krisenfall

(Vermeintliche) Erwartungen der Bilanzleser

Maßnahmen der Bilanzpolitik

Fragwürdigkeit der Bilanzpolitik

Sinnhaftigkeit der Bilanzpolitik

(3) Aktive Informationspolitik im Krisenfall

Adressaten des Krisenmanagements

Grundtendenz der Informationspolitik ("message")

Instrumente der Informationspolitik

(4) Besondere (passive) Informationsnotwendigkeiten im Krisenfall

Grundsätze

Gegenstände der Information

(5) Organisation des Krisenmanagements

Bewußtes Bekenntnis zum Krisenmanagement

Position des Krisenmanagers

Sondervollmachten des Krisenmanagers

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Verstärkter Informationsaustausch im Top-Management

Bewußte Beendigung des Krisenmanagements

Autor

Prof. em. Dr. Dr. h.c. Jürgen Hauschildt †
Institut für Betriebswirtschaftslehre
Christian-Albrechts-Universität
Westring 425
D-24098 Kiel
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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
1. Jahrgang (1998), Ausgabe 1 (November)

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Letzte Aktualisierung: Mittwoch, 31. August 2016

       

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